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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 106

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 106 (sequence 147)
Language
German
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IRI
…/2609281-2609288--3368-2610713
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106 wird doch jedenfalls einmal der Universalerbe sein müssen, wie das schon Shakespeare in den Worten andeutet: Und wer zuletzt am Leben bleibt, der erbt den ganzen Plunder. An diesen Handelsmann aus Edessa dachre ich daher immer, wenn mir das wohlbekannte »Nix z'handeln« in allerlei mundartlichen Variationen und in den verschiedensten Sprachen entgegen tönte, wenn ich es sogar in England und Holland hie und da als »old clothes« unb »oude kleeren« ptett tttufte, und als in der Frankfurter Zudengasse ein Mann dieselbe Frage an mich richtete, die er gerade zwölf Jahre vorher an mich gerichtet hatte — die uralte, ewige Frage, ob ich nichts zu handeln hätte? Es ist unstreitig immer dasselbe Geschäft, wie damals auf der Insel Rhodus. Der Tandelmarkt zu Prag, die Judengasse zu Frankfurt geben uns Antwort auf die Frage, was denn aus den hübschen Kleidern all der Leute geworden, deren Schicksal uns einst interessirte. Der Frack Werther's, der Scharlachmantel Doria's, der Schlafrock Klopstock's, das weiße Kleid der Rachel im fünften Act, der Paletot Menschtkosf's, die Helle Weste des amerikanischen Gesandten — all die berühmten Kleider berühmter Männer finden sich früher oder später auf dem Bazar des Ghetto zusammen. Es ist eine besonders anerkennenswerthe Bescheidenheit dieser Trödler, daß sie sich nicht, der Mode der Zeit huldigend, Antignitätenhändler nennen. Auch äußerlich haben alle die verschiedenen Ghettos dieselbe Physiognomie — im Süden wie im Norden. Biegt man in Triest von der piazza grantle in eine Seitenstraße, die in die cittä vecchia führt, so ist man plötzlich wie IN eine andere Stadt, ja wie in ein anderes Clima versetzt. Luft und Licht sind hier ganz anders, als in dem nahen prächtigen Corso. Man ist im

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