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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 71

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 71 (sequence 112)
Language
German
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IRI
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71 mochten, und der seine eigeneDidaktik braucht, geräth hiedurch ins Arge. Denn es gibt auf diesem Gebiete so manche Räthsel, deren Lösung man nicht dem Witze eines Präparanden zumuthen kann. Zunächst hat der Religionsunterricht seine großen Schwierigkeiten. Wäre das Judenthum nur ein Nichtchristenthum, wobei cs sich handelte, einen Lehrbegriff so oder anders zu fassen, da brauchte man nur irgend einen katholischen oder protestantischen Katechismus in einigen Paragraphen zu ändern. Die Tugend- und Sittenlehre ist ohnehin eine allgemein menschliche, und die pädagogische Behandlung wäre überall dieselbe. DasJudenthum hat aber einen Inhalt, für den nur die Eine Form paßt, Ideen, die mit einem einzigen Ausdruck untrennbar verschmolzen sind, Lehren, die von der Sprache, in der sie geschrieben, einen Glauben, der von seiner Entwickelungsgeschichte und der seiner Bekenner unzertrennlich ist. Za, ein ganzes beziehungsreiches Leben, ein großes, weites Reich von Anschauungen, Grundsätzen, Gepflogenheiten und Heiligthümern, eine Jahrtausende alteGeschichte, ein weitschichtiges SprachundSchriftgebiet, machen den Inhalt des Judenthumes aus, das mehr erlebt als erlernt sein will, und das man doch wieder nicht eher erlebt, als man es erlernt. Schon dieser einzige llnterrichtsgegenstand erfordert eine eigenePräparandie, wenn schon präparirt werden soll. Aber auch die andern Lehrfächer verlangen — mindestens in den grundlegenden Mutterschulen — ihre eigene Behandlung. Man mißverstehe uns nicht! — Nicht daß wir jener engherzigen Ansicht huldigten, die selbst die Pflanzstätten der Jugend in Wahlstätten des Religionskampfes verwandeln, und aus jedem Schulfache dazu eine Waffe schmieden wollen; aber die Sache verhält sich so: Was man Gesundheit nennt, ist überall derselbe Zustand, aber die Krankheiten sind dennoch verschieden. So gibt es wohl keine jüdische und christliche Sittlichkeit, jüdische und christliche Sprachlehre, aber es gibt eigene jüdische und eigene christliche Unsittlichkeiten, eigene

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