Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 113)
- Language
- German
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72 jüdische und eigene christliche Sprachfehler — und für diese Krankheiten hat eben derjenige die besten Heilmittel, der nicht nur das Grelle und Auffallende bemerkt, sondern auch für die feinern Nuancen ein schärferes Aug' und Ohr hat. Zudem ist die Schuljugend in den ersten Schuljahren ein roher Diamant, der wieder mit andern gleichartigen Diamanten geschliffen werden muß;— mit andern Steinen — und wären es Edelsteine — gelingt der Schliff erst in spätern Jahren, wenn die »Eigenthümlichkeiten« schon gelockert sind. Darum brauchten wir ebenfalls unsere jüdischen Präparandien — d. h. nicht kostspielige Lehrerseminarien, aber fleißige Hebung der Präpacanden an schon bestehenden jüdischen Schulen unter den Angen tüchtiger, jüdischer Lehrer. Wie das einzurichten, gehört nicht hieher. Somit ist unsere Heerschau vollendet, unsere Leiden und Sünden sind ins Register gebracht. Schließen wir das Gündenbekenntniß mit der alten jüdischen Schlußformel aller Sündenbekenntniffe: Weul kullom eloha seliehoth selacli lonu etc , und bekennen wir mit Freuden, daß wir trotz der vielen Hindernisse mehr Fähigkeit unter den jüdischen Lehrern gefunden, als wir je erwarten dursten. Noch haben unsere Wehrwölfe mehr Liebe, unsere Harlekine mehr Ernst, unsere Methvdenritter mehr Wissen, unsere Aufspeicherer mehr Methode, unsere Geistreichen mehrBesonnenheit, und unsere Geschulten mehr Geist, ja selbst unsere Charlatane mehr Ehrlichkeit, als man unter solchen Umständen in andern Kreisen finden dürfte. — Möge auch die Anerkennung nicht ausbleiben, und der Name Lehrer wieder zu der Ehre gelangen, die ihm vormals die ganze Nation gezollt, da noch das geistliche Oberhaupt der Gemeinde nicht anders als der Schulmeister: der Rabbi genannt wurde. Rabbi war der Ehrentitel, dessen der Vornehmste sich freute, und um den Titel Rabbi warb selbst der liebesselige Bräutigam,