Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 109)
- Language
- German
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68 Lehrbuch nutzbar machen kann; denn Niemand vermag eine Albernheit weise zu sprechen, oder eine häßliche Fratze schön zu malen. Ein Weiteres ist nicht währ, daß eine gute Methode gründlich Wissen ersetzt; denn wahr ist des Dichters Wort: »Wer lehren will, der gebe was.« — Es ist ferner bedenklich zu meinen, daß gute Methode an jedem Fetzen und Lappen das Denken üben könne, wenn man den Lappen nur von allen Seiten begucken läßt, und gut »abzufragen« weiß. Denn das Denken zieht man ebensowenig mitLappen groß, als man einen Capaun mit Lust auffüttert, und wenn man den Fetzen noch so sehr zerfasert. Es ist endlich eine sehr gewagte Behauptung, daß überhaupt die echte, gute Methode es auf einen männenlenden Verstand abgesehen Kat, und daß die Kinder nichts lernen dürfen, als was sie sonnenklar einsehen. Uns will's bedünken, daß die Schule auch manches Keimlein entlegen müsse, das erst das Leben zur Reife brmgt und daß es sehr unverständig sei, aus lauter Verstandessucht reife Aehren in frische Furchen zu streuen. Man sieht also, daß nicht, wie Polonius sagt, viel Methode in dieser Narrheit stecke, sondern viel Narrheit in der Methode. Damit ist aber nicht gesagt, daß die gelehrten Aufspeicherer auf rechtem Wege sind, die mit Verachtung auf alle Methode herabsehen, und meinen, das Wissen lasse sich so von Geist in Geist überlecren, wie man Getreide von Sack zu Sacke schüttet, oder, daß Unterrichten ein gelehrtmachendes Stundengeben sei. Ja, hieße Lehren nur vortragen, Herunterkanzeln, wie ein Professor in der Hochschule es macht, dann wäre freilich die beste Schule diejenige, welche den gelehrtesten Lehrer hat. Aber in der Schule muß nicht nur gelernt, sondern auch erlernt werden — und auch das ist ihre geringste Aufgabe. Schule halten heißt, den Schülern eine Schule geben, d. i. Kinder regieren und erziehen. Aufmerksamkeit und Fleiß, Lernlust und Lcrnkrast, Selbstthängkeit unb Selbstbeherr-