Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 103)
- Language
- German
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62 Natürlich ist es, daß gerade derjenige die Rangordnung peinlich bedacht, der von Standesunterschieden am meisten zu leiden hatte, mnd ein Naturgesetz des menschlichen Gemüthes lehrt uns, daß, wer am meisten Ausschließung erfahren hat, am sorgfältigsten sich vor Berührung mit Untergeordneten hütet. Heber den Begriff von »Seinesgleichen« entscheidet aber in der Regel weder Logik noch Pädagogik, und wo es keinen Geburtsadel gibt, da bestimmt die Stufenleiter der Menschenschichten. — der Wechseleskomptc. Aus diesen .Umständen erwachsen all die Roccocoansichten, denen zu- .solge. einerseits dem tüchtigsten jüdischen Lehrer weniger vertraut wird, als dem unbeholfensten Dorfschullehrer, dessen einziges Verdienst sein Nichtjudenthum ist, anderseits viele Kinder der reichern Schichte, wie die Cavaliersjunkerchen des vorigen Jahrhunderts der kräftigen Schulatmosphäre entzogen werden, und die Kinder der ärmer« Schichten nie jene Unzukömmlichkeiten, ablegen, die im Gefolge der Armuth sind, statt daß durch eine vottheilhaftere Mengung die Einen an Selbstkrast, dieAndern an Geschliffenheit gewinnen zu lassen, um alle Ein Band zu schlingen: — das Band gegenseitiger Bildung, die der kunstgerecht durchdachte Plan, das widerspruchlose Gesetz der. Schule beherrscht- All das ist wenig geeignet, begabte Männer für den Lehrerstand zu gewinnen, noch weniger sie darin zu ermuntern, und am wenigsten sie lange dabei zu erhalten. Zudem bleibt dem jüdischen Lehrer in nichtjüdischen Kreisen jede, auch die geringste Thätigkeit verwehrt; wenn ihm nun im eigenen Kreise die Anerkennung versagt, die Berufsthätigkeit erschwert, die Fristung des nackten Lebens selber verkümmert wird; — spricht sich da jeder nicht selbst das Urtheil,. der über Lehrer verdammlich richtet? Ist es da nicht zu verwundern, daß es noch opferwillige Männergibt, die, einer umfassenden Bildung ungeachtet, sich den am wenigsten lohnenden Mühsalen des Zugendunterrichtes widmen, nnd ihre Pflichten mit feinem Lacte und ausnehmender Geschicklichkeit