Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 104)
- Language
- German
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63 vollziehen? Und wahrlich, gerade jene sind die bewährtesten unter ihnen, deren erster Keim tief im Schooße des Judenthums ruhet. — Wer kennt nicht ihreLebensgeschichte?! Ist es doch bieder bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten, sie mögen den Lehrstuhl oder diePredigerkanzel sich erkoren haben: sie haben ihrer Kindheit zartes Mhthenalter im heimischen Jthaka jüdischen Schriftthumes verlebt, deffenJnhalt ihre Traum- und Spielwelt durchzitterte. — Im Jünglingsalter hatten sie ihre Hervenzeit, wo die Geistesschwinge sie in die Fremde trug, bald im Kampfe ihre Kraft zu messen, bald von Eiland zu Eiland abenteuernd ihre Ulyffesfahrt zu vollenden. Da lauschten sie hier den Syrenen sophoklischer Chöre, bewunderten dort die Cyclopen in den Werkstätten der Naturforschung, hielten da beim Phäakenkönig des Kunstgenusses ihre Gastmähler, durchmu sterten wieder dort an der Hand einesTiresias die Schatten derBergangenheit. Nach langer Irrfahrt kehren sie wieder in die alte Heimat ein und umarmen die treue Penelope jüdischer Wissenschaft. Nun ist die Heroenzeit vorüber, die Lust des Abenteuerers macht dem heimischen Behagen Platz; das nüchterne historische Alter beginnt, und der Mann ift’S, der prüft und vergleicht, das Fremde nützt, das Heimische schmückt, und dieBesonnenheit leitet den Kampf — das ist Naturgesetz der Menschengeschichtr für Einzelne wie für Völkerschaften, und wo das waltet, da bildet es naturgemäß. — Darum wirkten und wirken jene Männer am segensreichsten, die aus jüdischer Wissenschaft durch fremde Gebiete wieder zur jüdischen Wissenschaft zurückkehrten. Freilich werden diese Erscheinungen immer seltener, und mancher jüdische Lehrer von heute hat erst so hinterher das Judenthum nach vollbrachtem Jünglingsalter kennen gelernt. Die Zeit mag lehren, wie weit sie damit kommen; aber da wir doch schon aus der griechischen Mythe unsere Bilder holen, so setzen wir hinzu, daß mancher Oedip, der Heimat schon als Kind entrückt, im fernen Lande großgezogen, und reifen Alters