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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 61

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 61 (sequence 102)
Language
German
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61 tend. — Wie kommt das? — Unserer jüdischen Zeitgenossen viele sind die Erben einer Ansicht, die zu jener Zeit berechtigt war, als unser Volk, aus einem langen Choni-Maagolsschlaf erwachend, den Zeitgeist so weit fortgeschritten fand, und an der Möglichkeit ihm nachzueilen verzweifelte. Damals lauschte man an allen Kirchthüren, um unsere Synagogen darnach zu modeln, spähte man an allen Palästen, um die Manieren zu regeln, horchte man an allen Dorfschulen, um die Kindererziehung zu verbessern, und trieb mit allem Fremden einen Götzendienst, der alles Selbstgefühl verkommen ließ. Nun gelang es der wunderbaren Begabung unseres Stammes die Schranken zu durchbrechen. Unsere Rabbiner und Prediger sind nicht mehr jene einseitige» Theologen vom vorigen Jahrhundert, sondern Männer von umfassenderem Wissen und seelsorgerischem Talente; unsere Sänger und Dichter, Maler und Tonkünstler haben der Mitwelt den Lorbeer abgerungen; die jüdischen Salons geben an Geschmack und feinem Anstande keinem andern nach; unsere Frauen und Tochter haben Ton und Eleganz, und unsere Gelehrten vertreten achtunggebietend die Reiche menschlichen Wissens. Alles, alles ist auf der Höhe der Zeit! Sollten dieLehrer die einzigen sein, deren Befähigung und Bildung nicht über die der alten Cheder-Ephoren von ehedem hinausgeht? Gewiß nicht! Aber die Wendung geschah so unerwartet schnell, die Fortschritte unseres Volkes sind so außer Berechnung rasch vor sich gegangen, daß wir selber darüber stutzen, und einer dem andern nicht glauben will, daß er es auch schon so weit gebracht hätte. — Natürlich ist von sich selber und der eigenen Zulänglichkeit jeder aufs Handgreiflichste überzeugt, an sich ist er des Wunders schon gewöhnt; aber einem Andern, und noch dazu einem Lehrer solches zuzumuthen, scheint ihm eine.zu kühne Annahme. Daraus erwächst jene der Jugendbildnng sehr nachtheilige Scheu im eigenenKreise sich zu bewegen, dieEifersucht, mit der die Gränzen der Ebenbürtigkeit gehütet werden.

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