Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 100)
- Language
- German
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59 lehrer nicht.— Frager nicht, warum er klaget in des Lebens Blüthezeit — diese Stimmen in der erwachenden Natur wecken in dem Busen ihm den schweren Kummer nur; denn sie ist da — die gefürchtete Sommersaison, und die Sommersaison ist in Großstädten der Winterschlaf alles Unterrichtes. Die ganze vornehme Welt — und wie leicht zählt man sich zu dieser, wenn man in Großstädten athmet — wird von einer Sehnsucht ergriffen, wie sie nur Zugvögel nachempsinden können, und gehet die Natur vor dem Stadtthore draußen zu bewundern. Da ziehet nun, was nur ziehen kann, »hukebuk« zur Stadt hinaus, die liebe Jugend hinten drein, und dem Meister bleibt das leere Nachsehen, wenn's ihm nicht genehm ist, nach alten zweiunddreißig Weltgegenden der Windrose mit seiner Weisheit hausiren zu gehen, da ein Endchen, dort ein Bändchen loszuschlagen, was man dann Stundengeben heißt. Doch siehe! Auch der Sommer rauscht vorüber, und des Herbstes kühle Lüfte wehen dem Lehrer neue Hoffnung zu. Sie kvmmew wieder all die vornehmen Herren und all die gnädigen Frauen; es füllen sich die Straßen, es raffeln die Wagen, es wimmeln die Märkte. »Sie kommen, sie kommen die Fluten all« — aber — die Schüler bringt keine wieder. Mit dem ersten Winter ist des Lehrers letzter Lenz geschwunden; der Sommer zeitigt neue Erziehungspläne, die alten kommen aus der Mode, und der Lehrer ist unmöglich geworden. Wie auch anders? Welchen Eltern ist ihr Kind nicht wenigstens ein llniversalgenie? und wclcheAnsprüche wären an ein solches zu hoch? Nun ist freilich das Genie nur fünf Monate unterrichtet, und sieben Monate des Jahres gelüstet worden; aber wer wird auch dem Lehrer eine Rechtfertigung gestatten? Diesem bleibt der Ausweg, entweder ein Stümper in einem stemden Berufe zu werden, oder auf die Wahrscheinlichkeit zu bauen, daß es einem zweiten und dritten Berufsgenossen auch nicht