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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 58

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 58 (sequence 99)
Language
German
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58 ihn an, müßten die Säuglinge schon die Univerfität beziehen, daß auf dem noch unsicher» Häuptlein sich der Doctorhut schon wiege; die altklugen Kleinen müssen schon männlen, und wie Cavaliere von Liliput sich bewegen. — Nichts von den milchenden Kühen! schreiet dort ein Schwärmer für Gemüth und Seelenadel. Der möchte die Poesien scheffelweise eingeben, und statt Speise und Trank verabreichen, daß nichts des Irdischen sich dränge in die Kinderseele. Just das Gegentheil meint ein anderer Weltverbesserer. »Wir brauchen practische, erwerbstüchtige Naturen, dieAlles zu versilbern wissen.« Da sollten die Schulbuben jeden Paragraph erst naseweise begucken, und nicht eher lernen, bis sie wissen, wie hoch es sich rentircn werde, und vorwitzig sollen die ABCschützen schon über Nationalöconomie raisonniren. Nun aber besteht die Gemeinde des Herrn aus lauter Heiligen, wovon sich jeder selbst der Klügste ist, und inmitten ihrer schreienden Forderungen, »brennenden Zeitfragen« und aufdringlichen Bedürfnisse steht der Lehrer, ein Fels von brandenden Fluten umtobt, und weiß nicht, was er sagen soll. Will er vor dem Einen sich verneigen, stößt er dem Andern in den Schooß, und »Wie er's diesem wieder abbittet, »Er's wieder mit dem Andern verschüttet.* Ihm bleibt kein anderes Mittel, als der Muth der eigenen Meinung, der einzigen, deren Gründe er begreift, und so schaart er bald die Jünger um sich her und beginnt sein Werk. Jetzt leuchtet's aus den jungen Aeuglein, und guckt so neugierig hinauf zu dem ernsten Manne auf dem Lehrstuhl droben, daß dem das Herz dabei weit aufgeht, und er der hochweisen Forderungen wie all der naiven Ansprüche der verschiedenen Jugendfteunde vergißt, und schaffet und wirket, und seines Werkes sich freuet. — Aber sieh! die Zeit wendet sich, der junge Frühling thul seine Augen auf, und des holden Lenzes freuet sich jeglich Wesen — nur der Jugend-

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