Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 98)
- Language
- German
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57 Bäume blühen! — In einer großen, weiten Stadt, da sind zunächst Haus und Schule auch gar weit auseinandergerissen, und sind es nicht blos durch Gaffen und Straßen, sondern durch ganze Gedankenwelten! Hoch oben thront die Lehre, tief unten kriecht das Beispiel — dahin zeigt die Weisung den Weg, dorthin bewegt sich der lebendige Zug. Auf der einen Seite schrumpft der Beruf zum Geschäft und Erwerbszweige zusammen, und friert aller Eifer aus Mangel an Theilnahme ein, auf der andern Seite schießen Erziehungspläne über Nacht empor, die alle den Lehrer ein anderes Lehren lehren; z. B.: der will den Sabbath und jener den Sonntag gewahrt wiffen; ein Dritter will gar keine Religion, sondern nur Tanzstunden, ein Vierter will nur Religion, im klebrigen totale Gonnensinsterniß, einFünfter will zwar Religion, aber mitOdeurs versetzt, daß man in honneter Gesellschaft nicht roth zu werden braucht. Zener will, daß der kleineRadebrecher alle Sprachschnitzer und sonstige Albernheiten ins Französische übersehe, damit sie sich klüger ausnähmen; dafür will dieser ein ganzes All von Wissenschaften; denn: »cs schadet nichts, wen» mau auch gebildet ist, und man kann nicht wissen, ob man so ein Ding nicht einmal im Leben brauchen kann.« — Und am Ende wollen alle diese Leute doch nur ein halbjährliches Gchulzeugniß, das in den rueisten Fällen nur eine Quittung über erlegte Prüfungstaren ist, und haben ihre kindischeFreude an dem Stoß Papier, wie er sich von Semester zu Semester, unbekümmert um denFortgang seiner Besitzer, so von selber aufthürmt. Nun kommen die Herren von der gelehrten Gilde, bei denen »stellt zu rechter Zeit das Wort sich ein»: der Eine hat au Natur und Einfalt, wie er's nennt, sein Behagen, läßt den »«erkünstelnden« Unterricht so spät als möglich Raum gewinnen; denn der kleineSchlingel kann ihm nicht lauge genug unwissend und bengelhast bleiben. Beileibe! meint der Andere. Des Menschen Leben ist gar so kurz, und des Wissens Reich so weit. Käme es auf