Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 97)
- Language
- German
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scheu sind, und dann, daß solche Menschen denn auch Lehrer sind. Denn Jammer und Elend sind gar schöpferisch in Erzeugung von Mißgestalten, gar erfinderisch in Hervorbringung von Zerrbildern. Darum gibt es nicht leicht ein trübseligeres Aussehen auf dem Erdenrund, als das eines solchen Jugendhüters. Da gehet so mancher junge Mensch froh und lebensfrisch, mit flügge gewordener Schwinge hinaus, voll Lehrbegier undBerufseifer, träumt von seiner erhabenen Sendung, arbeitet mit Lust und Liebe, die herrlichsten Erwartungen im Herzen tragend. — Sehet ihn nach einigen Jahren wieder: verschrumpft und verknöchert, verdrossen und grämlich, schnurrt und surrt er mit der Eintönigkeit eines Spinnrades seine sieben bis acht Lehrstunden durch, gibt noch einige Privatlectionen ties in die Nacht hinein, denkt nie an Erfrischung des Geistes, an Erweiterung der Ansichten. Der befruchtende Lebensodem ist es nicht mehr, der seine Kräfte in Bewegung setzt; es ist-die Maschine, die sich ewig um dieselbe Spechte dreht, unbekümmert, wie Tage und Jahre über sie hinwegschreiten. Wundert ihr euch dessen? Versucht es einmal was es heiße, fünf bis sechs Stunden täglich in nieder» Schule», bei ewiger Wiederkehr desselben Einerlei, dem Mühsal und der einförmigsten Widerwärtigkeit ohne Trost und Aussicht zeitlebens sich preisgegeben zu wissen — und wir wollen euch zu Richtern über jene blassen Männer machen. Go viel ist gewiß, ja behördlich und actenmäßig dargethan: Wer kein Lehrer werden will, der lehre nicht, und er wird es nie werden, wenn er auch ganze pädagogische Bibliotheken verschlingt; wer aber ein Lehrer zu sein aufhören will, der unterrichte sieben bis acht Stunden des Tages, und in wenigen Jahren ist er — wir verbürgen es ihm — kein Lehrer, wenigstens kein brauchbarer mehr. Das Mittel ist probat. Sehen wir, welche Paradiese sich dem Lehrer in Großstädten und Residenzen eröffnen, wo doch des Lebens und der Erkennlniß