Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 94)
- Language
- German
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53 feit, von jenem Seelenputze und geistigen Flitterstaate mit halbverstandenenDisciplinen, die man ihnen aufgedrungen Das wäre eine Emancipation im Sinne der Pädagogik! denn was dies abscheuliche Wort »Emancipation der Frauen« sonst bedeutet, ist in den Augen der Pädagogik ein Unsinn, wenn es ein Recht bedeutet, oder ein Unrecht, wenn es einen Sinn haben soll. Wir meinen das so: Emancipation ist ein Gnadenact. Wird dem Weibe nur sein gutes Recht dabei, dann ist es Unfinn, die Gerechtigkeit eine Gnade zu nennen, und wo bei einem Volke »och eine solche Emancipation Roth thut, da hat Bildung und Erziehung noch gar keinen Boden gefunden. Ist aber die Emancipation wirklich eine Gebietserweiterung, ein Ueberschreiten der Grenze, da wird die Gnade, die dem Weibe erzeigt wird, eine schwere Versündigung an der Menschheit, ein Unrecht an der Jugend begangen. Im Judenrhume war die Frau niemals blos die Gynä (Gebärerin), wie sie die Griechen nannten, oder die Femina (die Fruchtreiche), was sie den Römern war, sondern die Jscha — die Männin, der Mensch in einer andern Erscheinungsform, aber mit gleichen Rechten und Ansprüchen, die Genossin, die Hälfte, die Ergänzung des Mannes. Sie vertritt die reine Persönlichkeit, die Innerlichkeit des Seelenlebens , die Machtvollkommenheit des Gemüthes. Vergessen wir aber niemals, daß die Bildung des Herzens jeder andern an Werth vorangehe, und daß — die Geschichte des Weibes die Geschichte des menschlichen Herzens ist.