Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 93)
- Language
- German
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52 Purimfest vorüber; dem jugendlichen Frohsinne ist es nie vergönnt, aus religiösem Gebiete ein Freudenblümlein zu pflücken, das er als Vergißmeinnicht der seligsten Erinnerung für die Zukunft sich ausbewahren könnte. Die Lehren der Schule, von denen er nie im Leben Anwendung findet, werden ihm bald trocken, inhaltsleer, unerquicklich und lästig. Bald zersetzen sich in der gemüthsleeren Seele auch die Gefühle für Stamm und Familie. So wächst der Knabe heran, reifet bis zum Alter des absprechenden Jünglings, klügelt dann und witzelt den letzten Rest des Heiligen aus seinem Herzen heraus, und bald steht der Mann vor uns, dessen ganze trostlose Weisheit keinen andern Reichthnm hat, als die größte Armuth an Liebe und Frieden. Doch genug für Heuer über dieses unerschöpfliche Thema! So viel steht fest, daß auf dem Gebiete der Töchtererziehung noch viele Lorbeeren zu sammeln sind, und wir behalten cs vor, wieder einmal darauf zurückzukommen. Nicht minder wahr ist es, daß der reiche Schatz jüdischer Weisheit noch immer nicht in die Massen gebracht und genug gekannt ist, wenn auch auf unfern Gelehrten schon zollhoch der Bibliothekstaub liegt, von all den verschollenen Werken, die sie einer wohlthätigen Dunkelheit entrissen. Eine gute jüdische Frauenbibliothek, eine zeitgemäße jüdisch-deutsche Literatur, mik Geschmack und Eleganz ausgeführt, die dem ästhetischen Bedürfnisse unserer Frauen Rechnung trüge, und doch gesunde, kräftige Kost zu bieten verstünde, gehört noch immer zu den frommen Wünschen. Möge einmal die Wichtigkeit des Berufes und der Betheiligung der Frauen au der Bildung des Menschengeschlechtes die verdiente Würdigung finden. Möge man endlich erkennen, daß der oberflächliche Unterricht, den man nirgends als für Mädchen gutheißt, zu all den Verschrobenheiten führt, an denen die modernen Charaktere leiden. Emancipirt die Frauen! Aber emancipirt sie von der Halb- und Asterbildung, von derBielwifferei und Seichtig-