Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 91)
- Language
- German
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50 Frauenname hat einen guten Klang auf dem Büchermärkte, und manches Röslein aus Saron wird mit dem Lorbeer aus den Metern, die die Welt bedeuten sollen, bekränzt. Aber was sie dort bedeutend macht, läßt sie für das Judenthum verloren gehen. Zu einem großen Theile der jüdischen Frauenwelt herrscht eine beklagenswerte Theilnahmlosigkcit, eine erschreckliche Unkenntniß jüdischer Heiligtümer. Manche haben sich von der romanhaften Empfindelei noch nicht ernüchtert, manche von dem Froste der Reform- Witzelei noch nicht erholt, und sind theils Gewohnheitsjüdinnen, teils Jüdinnen aus Familienrücksichten. Ja, uns sind nicht wenig Beispiele bekannt, daß in Familien gerade die Frauen, im Widerspruche mit der eonservativen Natur ihres Geschlechtes, das freigeisterische Element bilden. Rechnet man noch die, bei Betrachtnng jüdischer Zustände nie zu vergessende, unserem Stamme angeborne Neigung zum Esprit, die Richtung auf das Geistreiche hinzu; so wird mau leicht begreifen, daß bei den geschilderten Frauen die Innigkeit des Gemüthes oft einem gelungenen Bonmot znm Opfer fallen kann. Bon jenen Müttern, die vom Ernste des Lebens gar nicht erfaßt werden und in ein Puppenspiel der Weltlichkeit ausgehen, kann hier gar nicht gesprochen werden. Diese aus der zahlreichen Classe der Mittelmäßigkeit machen vielleicht selber keinen Anspruch darauf, von andem Gesichtspunkten als dem der Toilette beurtheilt zu werden. Eine andere (Gott sei Dank) kleine, aber doch mächtige Partei, bilden andere Damen der Neuzeit, die aus dem Dunkel der Ueberbildung stolz auf jede Glaubensinnigkeit niederblicken. Sie gehören jener Classe an, die man »emancipirte Frauen« und noch anders nennt. Nun sind allerdings jene Zeiten vorüber, wo man Unschuld mit Unwissenheit verwechselte, und den Frauen die Berechtigung zu gründlichen Studien absprach. DiePädagogik ist es am wenigsten, die den Satz unterschriebe, die beste Frau sei diejenige, von der man nicht spricht. Woher soll denMüt-