Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 90)
- Language
- German
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49 Rachel v. Varnhagen schämte sich nicht, sich ihrerAbkunft zu schämen. Die mittelmäßiger» Geister entfremdeten sich dem judenthümlichen Wesen durch Affectatiou ihnen nicht zu Gesichte stehender Manieren, bemühten sich durch vornehmthuendes Wesen, durch angcquälte sranzöfische Floskeln ihre Aufklärung zu beweisen, und die Seichtigkeit und Oberflächlichkeit nahm rasend überhand. Wir stehen am Morgen unserer Neuzeit, die, obgleich die Tochter der unmittelbaren Vergangenheit, doch vielfach bestrebt ist, die Sünden ihrer Mutter zu tilgen. Die Ideen des Judenthums sind durchsichtiger gemacht und in edlere Formen gebracht worden; die Wuth der Abtrünnigkeit hat sich gemindert, die Reihen Israels schließen sich enger aneinander. Die jüdischen Frauen beginnen ihr Interesse wieder dem Glauben der Väter, dem innern Nationalleben zuzuwenden; begabtere Geister, wie eine Grace d'Aguilar, eine Th. Munk, Rahel Morpurgo (letztere schreibt einen vorzüglichen hebräischen Styl), verherrlichen den Namen Israels durch ihre schriftstellerischen Erzeugnisse, und kämpfen mit gewandter Feder den schönen Kampf für Volk und Glauben. Ihnen voran gehen noch jene hochherzigen Frauen, die an der Spitze verschiedener Wohlthätigkeitsanstalten, als: Kinderbewahr-, Armen-, Kranken-Znstitute, durch mildes Werk, thatkrästigen Eifer und ein immer offenes Herz Rühmliches und Ersprießliches leisten. Ja, wir fühlen uns berechtiget, stolz auf diese in allen großem Gemeinden bestehenden Frauenvereine zu sein, die in derThat, eine Schöpfung derNeuzeit, ein Zeugniß richtiger Erfassung judenthümlicher Ideen sind, um die uns selbst die glanzvollsten Zeiten unserer Vergangenheit beneiden dürften. So weit lassen wir der Neuzeit die verdiente Gerechtigkeit gerne widerfahren. Aber anderseits kann man nicht in Abrede stellen, daß die Wahrheiten der Religion doch nur erst vom Geiste erkannt find; das Gemüth und dessen Vertreterinnen, die Frauen, find noch nicht dafür erwärnit worden. Mancher jüdische Jahrb. f. ISr, (858. 4