Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2609281-2609288--3288-2610633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 eine tiefe Cisterne voll Schlammes, damit er da ohne ihr Hinzuthun umkommen sollte. Eigenthümliche Klügelei des vor seiner eigenen That zurückschaudernden Verbrechens! Hier war sein Tod unvermeidlich, wenn nicht ein Aethiopier mitleidsvoller gewesen wäre, als Israeliten. Ein Diener des Königs, Ebed-Melech aus Aethiopien — dessen Namen durch Zeremia verewigt wurde — beschwor den König, doch nicht zuzugeben, daß der heilige Mann auf eine so elende Weise umkommen sollte. Zidkijah, zu Mitleid bewegt, gestattete dessen Rettung. Mit dreißig Mann zog Ebed-Melech den halbtodten Propheten aus dem Grabe vermittelst langer Taue und brachte ihn wieder in den Wachtvorhof. Hier berieth sich Zidkijah mit ihm über die Schritte, die er zu thun habe, und erhielt die Antwort, ohne Zagen zum Feinde überzugehen. Jeremia beruhigte ihn noch wegen der Furcht, die der König empfand, von den Judäern im chaldäischen Heer mißhandelt zu werden. So unfrei war das gekrönte Oberhaupt, daß es dem Propheten das Versprechen abnehmen mußte, seine Unterredung mit ihm vor den Fürsten geheim zu halten, ihn aber dafür versicherte, ihm Schutz zu gewähren. Beide hielten einander Wort. Zeremia blieb im Wachtvorhofe und erhielt täglich einen Laib Brod, bis sich in der Stadt der Mangel einstellte. Während in Jerusalem das Strafgericht Gottes wüthete, die drei Plagen Schwert, Hunger und Pest die Mannschaft aufrieben,, Mütter aus Verzweiflung das Fleisch ihrer Kinder verzehrten und Allen der letzte Schimmer des Hoffnungssternes erlosch, war Jeremia's Brust mit leuchtender Hoffnung erfüllt. Bis dahin hatte er nur Unheil zu verkünden, aber durch den tiefen Jammer der Gegenwart hindurch erblickte er die Morgenröthe einer bessern Zukunft. Der Untergang der staatlichen Selbstständigkeit, welche durch die allgemeine Zügellosigkeit unhaltbar geworden, die Einäscherung des Tempels, welcher durch hundertfache Gräuel befleckt war, werden