Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 66)
- Language
- German
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25 salems einer unsinnigen Freude. Aber die düstere Weissagung Jeremia's störte sie. Der Untergang Jerusalems sei trotz der günstigen Anzeichen unvermeidlich. »Wenn auch nur wenige verwundete Chaldäer von dem zahlreichen Heere übrig bleiben sollten, so werden diese die Hauptstadt in Brand stecken.« Wegen dieser Beharrlichkeit in Unheilsverkündigung erreichten jetzt Jeremia's Leiden den höchsten Grad. Als er eines Tages aus Jerusalem ging, um in Anatot eine Privatangelegenheit zu besorgen, führte ihn der Stadthauptmann Jirijah unter Mißhandlungen zurück und beschuldigte ihn, er habe zu den Chaldäern übergehen wollen. Vergebens betheuerte der Prophet seine Unschuld, daß er nie daran gedacht, sondern entschlossen sei, das Leid seiner Nation zu theilen. Die Richter geißelten ihn und warfen ihn in einen engen, dumpfigen Kerker, wo er dem Ungemach und dem Hungertode preisgegeben war. — Inzwischen hatte das chaldäische Heer die Aeghpter zurückgeworfen und die Belagerung Jerusalems wieder ausgenommen. Zidkijah, zu spät aus seiner Verblendung erwachend, ließ Jeremia heimlich zu sich führen, und beschwor ihn, ihm Gottes Rathschluß zu offenbaren. Er erhielt die Antwort, daß Gefangenschaft sein Loos sein werde. Bei dieser Gelegenheit beschwerte sich Jeremia über die Qualen, die er im Kerker erduldete, und der mitleidige König ließ ihn in ein Gewahrsam des Palastes, in den Wachtvorhos (Mattarah) bringen, und ließ ihm die Freiheit, mit Menschen zu verkehren. Tagräglich ermahnte er, die Stadt dem Feinde zu übergeben, und sich dadurch Schonung zu erwirken, indem jeder Widerstand nutzlos sei. Seine Worte machten endlich Eindruck. Die Krieger erschlafften im Kampfe. Darüber erzürnt, forderten die Führer vom König ungestüm des ProphetenTod- Zidkijah vermochte ihn nicht zu retten, und überließ ihn der Erbitterung seiner Feinde. Um aber nicht Hand an den Mann zu legen, der ihnen als ein Wesen höherer Natur erschien, warfen sie ihn in