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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 8

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 8 (sequence 49)
Language
German
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8 fraten, ohne Halt im Innern, verriethen ihre Schwäche durch eine wankelmüthigc Politik diesen beiden Reichen gegenüber. Bald knüpften sie mit Assyrien, bald mit Aegypten Unterhandlungen an und machten sich durch dieses Schwanken beiden verdächtig. Als Jeremia, zumPropheten erweckt, im Tempelvorhofc, dem Forum Jerusalems, zum ersten Male sprach, faßte er diese drei Punkte, die götzendienerische Verkehrtheit, die sittliche Entartung und die politische Schwäche, die nach seiner Ansicht in Wechselwirkung standen, scharf ins Auge. Seine erste Rede ist ein Muster populärer Beredsamkeit. Denn darin zeichnete er sich von seinen Vorgängern aus, daß er verständlich und doch gehoben sprach und dunkle, räthselhaste Redewendungen absichtlich vermied. Jeremia bildet in diesem Punkte den Gegensatz zum Propheten Hosea, mir dem er sonst viele Aehnlichkeit hat. Es würde zu weit führen, dem Eedankengang seiner auch künstlerisch bedeutenden ersten Rede zu folgen. Einige Züge daraus werden dem Leser einen Begriff davon geben. Gegen den religiösen Verfall sprach er unter andern Folgendes: »Die Priester weisen nicht auf Gott hin, dieTräger der Lehre kennen ihn nicht. Die Führer widersetzen sich ihm, und die Propheten orakeln für Baal. —Wandert doch nach der Insel Kittijim (Cypern), sendet nachKedar (zu den nomadisirenden Arabern), und sehet zu, ob je -inVolk seinen Gott gewechselt hat: mein Volk aber hat den erhabenen Gott um Nichts vertauscht.« Eine einzige Wendung gegen die Unsittlichkeit wiegt eine lange Rede auf: »An deinem Gewand, o Judäa, klebt das Blut von unschuldig Gemordeten, die du nicht beim Einbrüche ertappt, und bei all diesem sprichst du, ich bin sündenfrei.« Auf die politische Haltung eingehend, sprach Jeremia: »Was hast du mit deiner Reise nach Aegypten? um Nilwasser zu trinken! und was hast du mit den Wanderungen nach Assyrien? um Euphratwaffer zn schlürfen! Strenge deinen wandernden Fuß nicht vergeblich an, und laß deineKehle nicht verlechzen

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