Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 50)
- Language
- German
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n 9 im Durst (durch die Wüste); du aber sprichst: laß mich, ich liebe die Fremden, und ihnen will ich nachziehen. Wie erniedrigst du dich doch mit deinem steten Wechseln! du wirst durch Aegypten ebenso beschämt werden, wie durch Assyrien. Auch aus diesem Lande wirst du die Hände über deinem Haupte zusammengeschlagen heimkehren.« Die Verstocktheit des Volkes einerseits und die Jugend des Propheten andrerseits schwächten den Eindruck, den dieseRede hätte machen müssen. Die Androhung des Strafgerichtes über dieNation durch ein nordisches Volk, das er in prophetischer Ahnung geschaut und bestimmt vorherverkündete, als der künftige Zerstörer Jerusalems noch ein Knabe war, erschreckte die Gemüther nicht, weil aus einem jugendlichen Munde vernommen. Wenn irgend etwas, so beweist dieses dem Propheten selbst noch dunkleGesicht von der drohenden Catastrophe, in unbestimmten Umrissen geschildert, die Wahrheit der Prophetie. »Ich schaue die Erde,« spricht Zeremia in prophetischer Verzückung, »und sie ist wüste und leer, ich schaue den Himmel ohne Glanz, ich schaue die Berge, wie sie schwanken, ich schaue die Hügel, sie sind verödet, ich sehe das Fruchtgcsilde in eine Wüste verwandelt und alle Städte zerstört, kein Mensch ist anzutreffen, selbst die Vögel des Himmels wandern fort.« — »Gott sendet über dich, Judäa, ein fernwohnendes Volk, ein eisenfestes Volk, dessen Sprache du nicht verstehen wirst, dessen Köcher wie ein Grad geöffnet ist, ein Volk lauter Helden, das vernichten wird deine Aernte und dein Brot, deine Weinstöcke und Feigenbäume, deine Söhne rind Töchter, das zerstören wird deine festen Städte, auf welche du vertraust.« Jeremia kannte zu dieser Zeit weder Rebukadnezar, noch die Chaldäer; das babylonische Reich war damals erst embryonisch vorhanden, aber der Seele des Propheten schwebte es schon als zermalmende Macht vor, und er ringt nach Ausdrücken , um das ihm selbst noch Räthselhafte anschaulich zu machen.