Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2609281-2609288--3269-2610614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7 Sie eigneten sich die Sohne und Töchter der Niedriggebornen als Sclaven und Sclavinnen an und behandelten sie mit jener Rohheit, welche der von Gesetz, Religion oder Sitte nicht gebändigte Starke stets gegen Schwache übt. Das böse Beispiel von oben wirkte entsittlichend auch auf die Bolksmaffen. Rechtsverdrehung, Gewaltstreiche, Bedrückung, Hinterlist, Lügenhaftigkeit waren an der Tagesordnung. Mit einem einzigen Zuge schildert Jeremia die ganze moralischeGesunkenheit derjosianischenRegierung (vorder Reichsverbesserung): »Streifet umher in den Strassen Jerusalems, sehet euch um und suchet auf ihren Plätzen, wenn ihr einen Einzigen findet, der Recht übte und Treue anstrebte, so will ich ihr verzeihen (spricht Gott).« »Hüte sich jeder vor seinem Freunde, und der Bruder traue dem Bruder nicht, denn jeder Bruder handelt betrügerisch, und der Freund verleumdet den Freund; sie haben ihre Sprache gewöhnt Lügen zu sprechen, sie erschöpfen sich im Unrechtthun.« Ein zeitgenössischer Prophet, Zephanja, aus königlichem Geblüte, spricht von diesem Zustande mit folgender Redewendung: »Die Fürsten Judäas gleichen brüllenden Löwen, die Richter gierigen Wölfen der Wüste, die Propheten sind treulos, und die Priester entweihen das Heilige und fälschen die Lehre.« — Die innere Gesunkenheit bedingte die äusserste Schwäche nach aussen. Die kleinen Nachbarvölker Judäas, früher von ihm abhängig, die philistäischen Küstenrepubliken, die Jdumäer im Süden, die Moabiter undAmmoniter imOsten, übten ungestrastRäubereien imLande aus. SchwerwaresfürdasterritorialkleineKönigreichJuda, seineUnabhängigkeit zwischen den beiden rivalistrendenGroßmächten zu behaupten, zwischen Assyrien einerseits, das noch in seiner Sterbestunde unter Sancherib's Nachkommen und Sardanapal mächtig war, undAegypten andererseits, das durch seinen reformatorischen König Psammetich aus seiner Jsolirtheit herausgetreten war und die Herrschaft über Asien anstrebte. Josias, oder vielmehr die regierenden Aristo-