Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 44)
- Language
- German
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T 3 zunächst an den Schriftstellern. Wer im Stande wäre, das Leben der Gottesmänner in ihrer schlichten Größe mit dem geschichtlichen Hintergründe, aus dem ihr Wirken erkennbar wird, lebendig ohne Schwulst zu schildern, würde die Klage verstummen machen, daß wir keine Volksschriften für jüdische Häuser besitzen. Folgende Skizze will den Versuch wagen, Jeremia's Lebensbild dem Leser vorzuführen, wie es theils von ihm selbst und theils von seinen Jüngern geschildert wurde. Wenn der Charakter, das reiche Leben, das tiefe Gemüth und die Geisteskraft dieses Propheten, seine Trauer in der Fülle und sein Hoffen unter Trümmern, nicht das Interesse des Lesers zu fesseln vermöchten, so trüge nur die verfehlte Darstellung die Schuld daran. Eine Biographie des Propheten von Anatot ist zugleich eine Ehrenrettung für ihn, um den Schein zu zerstreuen, als habe dieser hohe Geist unpatriotisch gedacht und gehandelt, als sei er ein Baterlandsverrather gewesen. Das ideale Bild Jeremia's ist durch Bendemann's Palette populär geworden. Dieser Greis mit fast überirdischer Stirn — ein Gedankenthron — auf welcher wolkenschwere Schmerzen zucken, wer ihn einmal betrachtet, vergißt ihn nicht mehr. Aber in seiner Gesammtwirksamkeit erscheint er noch höher. Dieser Greis hatte nie Jugend und Fröhlichkeit gekannt. Noch als Jüngling erfaßte ihn der prophetische Drang, sich der eingerissenen Gesunkenheit entgegenzustemmen , den Königen, den Fürsten, den Priestern, den Lügenpropheten und der Volksmaffe muthgewaffnet entgegenzutreten. »Nie saß ich,« erzählt Jeremia von sich, »nie saß ich im Kreise der Fröhlichen und war lustig, vor der prophetischen Gewalt saß ich einsam und verödet.« Früh fühlte er den brennendenSchmerz über ein begabtes, gottbegnadigtes Volk, das seinem Untergang entgegeneilte, und dieser Schmerz raubte ihm die Lebenslust. Ihm, dem Schüchternen, Unerfahrenen, fiel die Aufgabe zu, seine Schwäche i. *