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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 2

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 2 (sequence 43)
Language
German
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2 das Leben den Zauber des Schönen ausgegvssen; Rom seine Krieger, Senatoren und Staatsmänner, welche ihren Willen den Völkern des historischen Erdkreises als Gesetz aufgezwungen und Könige vor ihren Triumphwagen gespannt haben. Judäas Propheten sind aber um so viel großer, als Sittlichkeit und Religiosität höher stehn denn Kunst und Eroberung. Die Propheten waren indeß keineswegs finstere Sittenrichter und polternde Prediger mie engem Gesichtskreise und beschränkter Anschauung, wie die Oberflächlichkeit sie sich vorstellt. Ihr weiter Blick reichte weit über ihr Volk hinaus, wenngleich sie für dessen Läuterung und Veredlung zunächst berufen waren, weit über die Zeit hinaus, in welche ihr irdisches Dasein eingespannt war, wenngleich sie sich der Anschauungsweise ihrer Zeit bedienten. Sie waren zumeist auch die Rathgeber der Könige, dieFührer des Volkes, wurden selbst von heidnischen Fürsten um Auskunft befragt, und ihre Rathschläge waren richtig und treffend, weil sie vom Schein der Dinge ungeblendet, in das Wesen und die Tieft der Dinge und Verhältnisse zu dringen vermocbten. Die Propheten kannten recht gut die Wirkung des Worres, der dichterisch gestalteten Reden aus das Gemüth der Menschen, schmückten daher ihre Gedanken mit farbigen Bildern und sprachen in gegliederten Redeweisen. Die Poesie der Propheten ist um so kräftiger, als sie nicht von dem falschen ästhetischen Princip ausgingen, das Schöne in der Poesie sei die Erfindung, die Fabel, die Lüge, sondern die Wahrheit stets zum Angelpunkte ihrer dichterischen Beredsamkeit machten. — Merkwürdig bleibt'» daher, daß, obwohl die europäischen Juden beinahe ein halbes Jahrhundert zum Bewußtsein erwacht sind, die Gebildeten sich nicht mehr des Judenthums schämen, sondern stolz auf ihre Lehre und Vergangenheit sind, ihnen doch durchschnittlich diegriechische und römischeLiteraturvertrauter ist, als die prophetische, undjeder mythologischeHeros geläufiger, als die leuchtenden Heldengestalten der Propheten. Die Schuld liegt

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