Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 262)
- Language
- German
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218 Graf Schwerin. Noch ein anderes Ereigniß hat die jüdischen Bevölkerungen Preußens zur selben Zeit freudig aufgeregt. In Berlin kam der erste Fall vor, daß ein Gerichts-- affessor jüdischen Glaubensbekenntnisses, Kayser, auf Verfügung des Justizministers Simon als Richter beim Berliner Stadtgericht installirt wurde. Demselben sollen aber nur solche Proceßsachen übertragen werden, wo kein Eid abzunehmen. Auch sind in neuerer Zeit Juden zum Schiedsrichteramte zugelassen worden. Endlich wurden auch jene vom Jahre 1847 herrührendenBeschränkungen aufgehoben, welche die Ausstellung von Wechseln und die Führung von Büchern in jüdischen Schriftzügen untersagen. Hinsichtlich der Beförderung von Juden zum Staatsdienste haben wir auch aus Preußen nur Unerquickliches zu melden. Zwar werden jüdische Juristen zu Auscultanten und Referendarien admittirt ohne jedoch im Staatsdienste vorrücken zu können, und in Breslau allein harren 17 Referendarien des jüdischen Bekenntnisses bisher vergeblich aus definitive Anstellungen. Noch umstellter ist die Aussicht auf Erlangung von Professorien. Um ein schlagendes Beispiel davon anzuführen erwähnen wir, daß der ausgezeichnete Botaniker Cohen — eine Zierde seiner Wissenschaft — noch nicht zu einer ordentlichen Lehrerstelle gelangen konnte, obschon der Körper der Universität Breslau ihn seit Jahr und Tag dazu vorgeschlagen har. Die veröffentlichten statistischen Nachweise werfen günstige Streiflichter auf die moralischen Zustände unter den jüdischen Bevölkerungen Preußens. Unter 46 Todesnrtheilen, welche im verflossenen Jahre im preußischen Staate gefällt wurden, betraf keines einen Juden. Aus der besonderen Statistik in Betreff Berlins läßt sich entnehmen, daß die Inden daselbst als Producenten und Consumenten eine hervorragende Stellung einnahmen. Es leben gegenwärtig allda 14000 Israeliten. Davon sind: Aerzte, Lehrer und Künstler 260; Großhändler und Fabrikanten 309; Geld- und Wechselkaufleute 90; Rentner über 500; Handwerker,