Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 260)
- Language
- German
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216 theile diesen Schulen zuzuwenden, sondern sind dieselben nach wie vor bei den katholischen Schulen zu belassen, in welchen letztem übrigens jede Einrichtung hintangehalten wird, welche Uneinigkeit unb ein liebloses Betragen der Schulkinder untereinander veranlassen könnte. Auch wird die Zusicherung ertheilt, daß wie an andern Orten so auch in Wien alle hohem Anstalten, obgleich an deren Gründung und Entwicklung die Judenschaft gar keinen Theil hat, offen stehen. I Als eine düstere Erscheinung anderer Art, die jedoch durch ihre Atrocität viel von ihrer Gefährlichkeit einbüßt, müssen wir die von der in Wien erscheinenden Kirchenzeitung wiederholt vorgebrachte Beschuldigung rechnen, daß die Juden zu ihrem Pessachfeste Christerlkinder abschlachten. Die Anklage stützt sich — nicht etwa auf ein neues, abermals von Bosheit und Aberglaube der Enthüllung darge- Schon vor hundert Jahren, da noch in wenig Staaten die Judenschaften als integrirende Theile der Staatsgesellschaft recipirt worden waren, verlieh die Huld österreichischer Herrscher den Eingebornen des jüdischen Bekenntnisses ihr ungeschmälertes Theil an allen höhern Bildungsanftalten, was einige Decennien später auch auf die niedern Schulen ausgedehnt wurde. Hieran festhaltend, so wie in Berücksichtigung mancher Uebelftände, welche an die Errichtung eigener Volksschulen geknüpft werden, hat der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde den in dieser Angelegenheit betretenen Weg der ehrerbietigen Vorstellung noch nicht aufgegeben. Wenn übrigens die Strömung der Zeit die Errichtung coufessioneller Elementarschulen — wie es früher schon Manchem bedünken wollte — als unabweislich darsteltt. so müßte eine zu Wien zu errichtende Volksschule sich in jeder Hinsicht zur Mufterschule zu erheben trachten. Mehr als jede Armen- und Unterstützung-Anstalt vermag sie dem Unbemittelten zu verleihen: die Kraft eines erstarkten und ungetrübt erhaltenen jüdischen Bewußtseins, das Fundament einer gediegenen Elementarbildung, auf daß auch der Arme ausgestattet sei mit gründlichen Kenntnissen der Schwache ausgerüstet sei mit dem Glaubensmuth seiner Väter, der jede Unbill und Verlockung überwand.