Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 252)
- Language
- German
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208 die Veräußerung möglichst zu beschleunigen, dann darf der reiche Israelit aus der Concurrenz nicht ausgeschlossen bleiben.« Wo die Gesetzgebung so viel Ln Frage beließ, bleibt es um so wichtiger, zu untersuchen, wie sich im Nebeneinanderleben die Gesinnung der christlichen Bevölkerungen gegen die jüdischen ausspricht und äußert. Wir haben die Genug- Lhuung, hierüber fast durchgängig Befriedigendes aus vielen authentischen Privatmittheilungen, die uns zu Theil geworden, berichten zu können. Wir fanden uns veranlaßt, einzelne Züge davon in die besondere Rubrik der »bezeigten christlichen Liebe gegen Juden« aufzunehmen, während hier den folgenden beispielsweise angeführten Vorgängen der gehörige Platz angewiesen erscheint. In allen Kronländern, in welchen Juden wohnen, finden wir sie durch die freie Wahl ihrer christlichen Mitbürger zur gemeinsamen Vertretung ihrer Angelegenheiten in Handels- und Gewerbekammern sowohl als in den städtischen Gemeinderäthen beigezogen. Wir haben dessen bereits in der Ehrentafel und in der bezeichnenden Aeußerung des Brünner Gemeinderathes Erwähnung gethan. Allerdings kommen auch Fälle vonJntoleranz undEngherzigkeit vor. Aus einem Orte in Mähren vernehmen wir die Klage, daß gegen die Verwendung jüdischer Hebammen geeifert und eben daselbst der Grund für die nothwendige Erweiterung des jüdischen Friedhofes verweigert wird, und von einer andern Seite her wird die Verweigerung einer Pachtverlängerung auf Grund des Edicts vom 2. Oktober 1853 gemeldet. Allein diese Fälle stehen unter den gegentheiligen Vorgängen vereinzelt; im Allgemeinen zeigen sich Vorurtheil und Krämerneid überwunden, und das gute Einvernehmen stellt sich nirgends als gestört heraus. Wenn entgegengesetzte Anordnungen dennoch erflossen, so sind sie wenigstens nicht herbeigezogen worden undnichts weniger als aus diesen socialen Zuständen hervorgegangen.