Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 220)
- Language
- German
- Belongs to
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1 i 0 beraubt erkannt werbe». Aber auch die Darstellung in den Cento novelle antiche wird im Vergleiche mit der in dem erwähnten hebräischen Werke nur als eine Umarbeitung erscheinen, wenn man erwägt, daß das Intermezzo mit dem Goldschmiede sich in diesem noch gar nicht findet, und während in der italienischen Novellensammlung von drei Ringen,, entsprechend den drei Religionen, die Rede ist, hier nur von zwei Edelsteinen gesprochen wird, was keineswegs etwa ans Furcht, dem Könige von Aragonien gegenüber die ihm verhaßte muhamedanische Religion mit der ftinigen gleichenstellen, geschehen ist, sondern einzig und allein in richtiger Anwendung auf die beiden Brüder Jacob und Esau, welche als Vertreter der jüdischen und christlichen Religion schon im Midrasch häufig angeführt werden. Auch tritt die durch die Erzählung des Märchens beabsichtigte moralische Wirkung in der jüdischen Darstellung, weit schärfer und prägnanter hervor als in derjenigen,welche sich in den erwähnten italienischen Werken und bei Lessing findet, und welcher nran, wie es von Menage in den Menagianis (ed. Amsterdam Th. IV. p. 409) wirklich geschehen ist, nicht ganz mit Unrecht den Vorwurf machen könnte, daß sie die gefährliche Lehre aufstelle, es sei ganz gleich, welcher von den drei positiven Religionen man sich znweude, weil man nicht wisse, welcher von ihnen man den Vorzug geben solle. Der Jude will in dem Märchen dem Könige keineswegs die Wahrheit selbst mittheilen, er will durchaus kein Urtbeil fällen über die verschiedenen Bekenntnisse, will keine Gründe angeben, weshalb er seinem Glauben so treu ergeben bleibe, da solche leicht vcrhängnißvoll für ihn hätte werden können, sondern er will durch das Märchen der Lösung des Problems überhoben sein, und deshalb durfte er seine Ueberzengung von den Vorzügen seiner Religion und deren Verhäitniß zur christlichen auch nicht ausfprechen. Er löst nun dieses Problem nicht etwa wie in dem Intermezzo mit den drei Ringen, wo doch jedenfalls eine Täuschung gegen zwei oder