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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 173

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 173 (sequence 217)
Language
German
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173 Welt. Jeder von den Söhnen bat den Vater, bei seinem Ableben ihm den Ring zu überlassen. Als der Vater sah, daß ein Jeder denselben haben wollte, schickte er zu einem geschickten Goldschmiede und trug ihm auf, noch zwei Ringe anznsertigen, die jenem vollkommen ähnlich wären, und in jeden einen Edelstein gleich diesem einzusetzen. Der Goldschmied machte die Ringe so täuschend ähnlich, daß Niemand außer dem Vater den echten erkannte. Alsdann schickte er nach seinen Söhnen einzeln, gab einem jeden einen Ring insgeheim, und jeder glaubte den echten zu besitzen; keiner aber kannte den rechten außer ihrem Vater. Also ist es mit den Religionen, deren es drei gibt. Der Vater droben kennt die beste; von den Kindern aber, die wir sind, glaubt jedes im Besitze der wahren zu fern.« Als der Sultan diese Lösung gehört hatte, wußte er nicht was er sagen sollte, um mit dem Juden ferner anzubinden, und entließ ihn. Eine ähnliche Erzählung theilt auch das neunundachtzigste Capitel der Oestu Romanorum mit, eines Werkes, welches nach Grässe's Untersuchungen in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts verfaßt sein soll. Daselbst wird nämlich von einem Richter berichtet, welcher drei Söhne hatte und als er sterben sollte, dem Erstgebornen eine Erbschaft vermachte, dem zweiten einen Schatz und dem dritten einen kostbaren Ring, welcher mehr werth war, als Alles, was er den beiden Andern vermacht hatte. Auch den altern beiden Söhnen hatte er zwei Ringe, nur nicht so kostbare, gegeben, und alle drei Ringe sahen gleich aus. Nach des Vaters Tode sagte der Aelteste: »Ich besitze den kostbaren Ring meines Vaters.« Dagegen der Zweite: »Du Haft ihn nicht, sondern ich habe ihn.« Der Dritte aber bemerkte: »Es ist nicht billig, daß Ihr ihn haben.sollt, da der Eine eine Erbschaft und der Andere einen Schatz besitzt; es verlangt demnach die Vernunft, daß ich denkostbaren Ring habe.« Hierauf versetzte der Aelteste: »Laßt uns durch die Thar prüfen, welcher Ring der kostbarere ist, und dies sei zugleich der bessere. Hiermit war Jeder einverstanden. Sofort

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