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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 172

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 172 (sequence 216)
Language
German
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172 foeittuug aber, welche das mehrerwähnte Märchen für das ganze Stück hat, und bei dem Einflüsse, den es nicht blos aas unsere Einbildungskraft, sondern auch auf unsere Reflerion übt, muß es um so erwünschter sein, dem Ursprung desselben nachzuspüren, als Lessing selbst in dem zwölften Bande seiner gesammelten Werke in einem Briefe an seinen Bruder vom 11. August 1788 eingesteht, keineswegs der Erfinder desselben zu fern, indem er schreibt: Ich möchte zwar nicht, daß der eigentliche Inhalt meines angekündigten Stückes allzufrüh bekannt würde; aber doch, wenn Ihr, du und Moses (d. i. Mendelssohn) ihn wissen wollt, so schlagt das Decamerone des Boccaccio auf, Giomatol. Nov. 111 Melchisedecli Giudeo.« In diesem Geständniß hat Lessing zugleich selbst zugegeben, daß der eigentliche Schwerpunct seines Dramas in den mehrgedachten Märchen liege, das sich auch, wenn man von einigen Zusätzen absieht, mit welchen er seine Erzählung bereichert hat, wörtlich eben so bei Boccaccio findet. Indessen auch dieser ausgezeichnete Novellendichter Italiens hat nicht den Ruhm, jenes Märchen erfunden zu haben, da es sich bereits im Wesentlichen in einer um etwa hundertJahre altern italienischen Novellensammlung , welche den Titel »Conto novelle antiche« fuhrt, findet. In derselben (siehe Geschichte 73) wird nämlich erzählt, daß einem Sultan, welcher in Geldverlegenheit war, der Rath ertheilt wurde, mit einem reichen Juden ,der in seinem Lande wohnte, anzubinden, und dann das bedeutende Vermögen desselben zu confisciren. Der Sultan schickte nach jenem Juden und fragte ihn, welches der beste Glaube wäre, indem er dachte: falls er den jüdischen als den besten bezeichnet, werde ich ihm sagen, daß er sich gegen den meinigen vergangen habe, falls er aber den muselmännischen nennen sollte, werde ich ihn fragen, warum er dem jüdischen treu bliebe. Nachdem der Jude jedoch die Frage ftines Herrn gehört hatte, antwortete er also: »Herr, es war einst ein Vater, der drei Söhne hatte und einen Ring besaß mit einem kostbaren Edelsteine, dem schönsten auf der

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