Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 210)
- Language
- German
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166 Verzug jeder Frau trt ihrer Entbindungsstunde zu Hilfe zu kommen, »nur allein zu keiner Jüdm suleu die Hefangen uit kommen.« 7. Leibeigene Roßmühltreter. Im Jahre 1348 wurden die Wormser Juden der Stadt vom Kaiser Carl IV. mit Leib und Gut zu leibeigen geschenkt. Daher sind sie in voriger Zeit verpflichtet gewesen, alle Jahre und zwar gewöhnlich im Winter zur Fastenzeit 2—3 Tage lang eine Rößmühle von etlichen Gängen anstatt der Pferde herumzutreiben, doch haben sie dies schon damals, wenn sie Gönner gehabt, mit Geld abgekauft. Cs waren aber alle Juden, sowohl Reiche als Arme, verbunden, diese Mühle herumzudrehen, bei welchem Zug dann der Stockknecht mit einer Peitsche das Commando führte. Sie mußten bei dieser Gelegenheit 6— 8 Malter Frucht zum allgemeinen Besten mahlen. Nach dem im Jahre 1697 erfolgten Ryswicker Frieden fanden die Juden bei ihrer Rückkehr nach Worms Gelegenheit, solche schimpfliche Dienstbarkeit vom Magistrat dergestalt abzukaufen, daß sie sogleich zum gemeinen Wohle 100 fl. bezahlten und auch später 60 fl. zur Recognition chrer Leibeigenschaft der Stadt erlegten. Siehe Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten II. Th., Bd. 15, C. 8. Rheinischer Antiquarius 1744. S. 466. 8. Mittelalterliches. Wagenseil berichtet uns in seinem Unterhaltungsbuche der Geschichte, S. 47 ff., wie sich im Mittelalter kein Jude in Deutschland ans der Straße hat sehen lassen dürfen, wenn die geweihte Hostie über dieselbe zu einem Kranken getragen wurde, und bei einem solchen Anlässe sogar ihre Häuser sperren mußten. In der Charwoche anszugehen, beson-