Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 202)
- Language
- German
- Belongs to
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158 unverweilt an die Abfassung eines persischen Handbuchs zum Gebrauche für seine Zuhörer. Eine solche Arbeit konnte nur einer so seltenen Eom-. bination von Fleiß und einem an Genialität grenzenden Sprachtalent in so unglaublich kurzer Zeit gelingen! Mit unermüdlicher Energie betrieb er zu diesem Zwecke von nun an die altpersische und arabische Sprache, arbeitete die naturwissenschaftliche namentlich medicinische Hinterlassenschaft der Blüthezeit der arabischen Literatur durch, lediglich um aus diesem heut zu Tage obsolet gewordenen Wüste die brauchbaren Termini oder wenigstens einige verwandte Wurzelwörter aufzufinden und sie den modernen wissenschaftlichen Gegenständen anzupassen. In zwei Jahren hatte er das Buch vollendet und es erschien im Mai 1854 in einer Steindruckerei Teherans lithograhirt unter dem Titel: »Handbuch der Anatomie des menschlichen Körpers von Dr. Polak.« Nach Veröffentlichung des genannten Werkes ging er an die Ausarbeitung eines »Vocabularium medicum, persisch, arabisch und lateinisch«, welches für die später zu beginnenden chirurgischenVorträge die Terminologie feststelleu sollte, ferner eines »Compendiums der Physiologie« in persischer Sprache, welche beiden letztem Werke jetzt ihrer Vollendung nahe sein dürften. Gleichzeitig wurde auf seinen von der dortigen Regierung adoptirten Vorschlag eine chirnrgischeKlinik für zwanzig Betten mit einer Abtheilung für vierzig Betten erbaut und entsprechend eingerichtet, ferner in dieser Schule zum Lehrzwecke eine öffentliche Ordination für chirurgische Ambulante!! ins Leben gerufen. Sein Ruf als ausübender Arzt hatte sich mittlerweile fest begründet; Dr. Polak wurde neben seinen dortigen Collegen, den französischen und englischen Gesandtschaftsärzten, ein würdiger Vertreter der modernen vaterländischen Heilkunde und mehr als fünfzig glücklich entfernte Harnblasensteine sind die Trophäen seiner operativen Praxis.