Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 201)
- Language
- German
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trag in persischer Sprache war bald die erworbene Gewandtheit in der Eonversation ohnehin allein nicht hinreichend. — Bei uns haben die Studenten aller Nationen, wenn sie zu den naturwissenschaftlichen Studien kommen,, wenig Schwierigkeit mit der Aneignung und Verarbeitung der aus den classiftden Sprachen entnommenen termini teelmici, diesem wegen seiner Gemeinschaftlichkeit für die ganze europäische Völkersamilie so wichtigen wissenschaftlichen Stützpunkte; aber in persischer Sprache waren die medicinischen Wissenschaften noch nie abgehandelt, viel weniger gelehrt worden; es konnten daher in derselben die nothwendigen Kunstausdrücke noch gar nicht vorhanden sein. Es mußte daher für die zu lehrende Anatomie und Chirurgie aus dem Geiste der persischen Sprache eine Terminologie erst neu geschaffen werden! Dr. Polak hatte also schwere Geistesarbeiten zu bewältigen, wenn er, anstatt nach Art der zahlreichen italienischen, maltesischen und griechischen Abenteurer, die zu Tausenden den Orient mit ihrem Gerne beglücken, als Fachmann zu figuriren und zu charlatanistren — vielmehr seiner Amtspflicht auf eine würdige Art genügen wollte; er hatte eine Arbeit vor sich, ähnlich jenen Riesenbauten des Alterthums und der Neuzeit, bei denen wegen besoudern Terrainschwierigkeiten das Material aus weiterEntfernung berbeigeschleppt, und dann erst zu dessen örtlicher Verwendung ein eigenes Hebelsystem erfunden werden muß. Noch vor Ablauf des ersten Dienstjahrs eröffnete Dr. Polak das zweite Semester seiner Vorlesungen in persischer Sprache, einstweilen noch mir Beibehaltung französischer Kunstausdrücke. — So viel Mühe er sich auch gab, seinen Vorträgen Klarheit und Correetheit und die jener Sprache eigenthümliche Eleganz zu geben, so fühlte er denn doch, daß die blos mündliche Lehre bei dem gewalngeu Umfang des Lehrmaterials auch für das glücklichste Gedächrniß eines Schülers ungenügend sei. Er schritt daher