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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 144

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 144 (sequence 188)
Language
German
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144 Elend, worin die hiesigen, auch die reichen Juden leben, war es mir bis jetzt, trotz des vielen Suchens, noch nicht möglich einen Berührungspunkt mit ihnen aufzufinden, um ihr häusliches Leben näher kennen zu lernen. »Ihre Physiognomie ist so wenig von der der europäischen Juden verschieden, daß sie in europäische Kleidung gesteckt, nicht als geborne Orientalen auffallen würden; so wenig ist Clima und Gesittung im Stande, den ursprünglichen Gesichtsausdruck dieses Stammes zu beeinflussen! — Hier wie dort dieselbe nervöse Beweglichkeit des Körpers. Der Perser gestikulirt nicht beim Sprechen, der Jude thut es. Der Perser läßt sich zum Reden Zeit und spricht ungemein deutlich; der Jude spricht schnell, mehr aus der Kehle als aus der Brust und verschlingt Sylben. Der Perser hat keinen Zischlaut in seiner Sprache; der Jude hat immer die Zunge zwischen den Zähnen und spricht das 8 regelmäßig wie das englische th aus. Zur Erklärung dieses Phänomens erzählt mir ein hier eingeborner jüdischer Galen-Practicus das auch in Europa bekannte Märchen mit dem Becken glühender Kohlen, an welchem sich das Moseskind Hand und Zunge verbrannte. — Sie heirathen mehre Weiber; ernähren sich vom Handel; betreiben hie und da kleine Eisenschmieden, Gold- und Silberwerkstätten; gehen mit einem Sack unter dem Arm haustren, rufen: »Zeri zerore!« u.s. w. d. h. »alte goldene Tressen!« schmelzen diese ein, machen Brandgold und Brandstlber; erzeugen Wein, Branntwein und Spiritus; essen Kuhfleisch, auch den Hintertheil des Thieres, während der Perser in der Regel meist nur Lammfleisch genießt, die schlechtesten Melonen und Kürbisse, so wie überhaupt die elendesten Rückstände des Obstmarktes. Der Perser, selbst der ärmste, ist in Anzug und Bartwuchs stets sauber und elegant; der Jude kleidet sich wohl ebenfalls persisch, geht aber, selbst der reichere, immer schmutzig und zerrissen einher, rasirt sein Haupt gleichfalls, jedoch mit Ausnahme der Scheitel- und Schläfengegend, von wo das Haar in

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