Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 71)
- Language
- German
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27 diger als unter Selim führte. Indessen war Don Josephs Einfluß unter Murad im Sinken und ging auf einen andern Juden, den Arzt Salomon Aschenast ans Udine, über, der Mohameds Günstling war. Unter Murad lebte der Herzog von Naros von Staatsgeschäften zurückgezogen und hatte Muße, den Interessen seiner Religion zu leben. Er kaufte seltene Manuscripte von Bibeln mn hohe Preise und bewahrte sie in seiner reichen Bibliothek auf. 52) Da er philosophische Bildung batte, so liebte er es über religiös-philosophische Themata zu disputiren. Einen Religionsdisput, den er mit einem christlichen Gelehrten führte, besitzen wir noch in einem Werkchen »Ben Porat-Joseph« , von seinem Hausrabbinen Isaak Onquene'i'ra in hebräischer Sprache niedergeschrieben. Dieses Werkchen ist keineswegs eine Polemik gegen das Christenthum, wie Einige, von dem Titel desselben verleitet, angenommen haben, sondern ist einerseits gegen die philosophisch sein wollende Religionsverachtung und anderseits gegen den astrologischen Wahnglauben gerichtet. Don Joseph nahm in diesem Disput bald den fireug talmndiscben Standpunkt gegen die Philosophie, bald den des gesunden Menschenverstandes gegen die astrologische Mystik seines christlichen Gegners ein. Diese Gespräche, die im Ganzen wenig Tiefe verrathen, wurden im Jahre 1577 gedruckt. sa) Der spanische Edelmann, der türkische Staatsmann, der Herzog war auch ein Vertheidiger des talmudischen Judenthums. Wir haben unfern Helden von der blühenden Jugend bis zum Greisenalter begleitet und die merkwürdige Laufbahn kennen gelernt, die er durchgemacht, und die ihn mit der europäischen Staateugeschichte des sechzehnten Jahrhunderts in engste Verbindung gebracht hat. Erwähnenswerth ist noch, wie sehr ihn die Christen haßten. Während die Rabbinen bei Nennung seines Namens immer hinzuzufügen pflegten, »sein Glanz möge noch mehr strahlen« (Ja-