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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 26

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 26 (sequence 70)
Language
German
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26 nicht, ein schmeichelhaftes Handschreiben an Don Joseph zu richten und erkannte ihn darin als Herzog von Naros an. — Darüber war der Großvezir Mohamed Sokolli nicht wenig neidisch und äußerte seine Verwunderung gegen den österreichischen Botschafter, wie der Kaiser sich herablassen könne, einem Juden zu schreiben, der keineswegs Herzog sei, sondern einfach Pächter der Weinzehnten, der sich unberufener Weise in die Angelegenheit der Venetianer gemischt habe, die auch nichts weiter als Fischer und Schacherer, also selbst eine Art von Juden wären. Als der Herzog Alba, die Befehle seines Königs Philipp noch überbietend, mit Schaffot und Scheiterhaufen in Flandern wüthete, Egmont's und Hoorn's tragischen Tod herbeiführte und den vorsichtigen Wilhelm, Prinzen von Oranien, zum Aufstande reizte, wendete sich der letztere an Don Joseph, mit dem er wahrscheinlich schon früher befreundet war, um die Hilfe der Türkei für die Geusen zu vermitteln. Don Joseph war mit einem Worte eine eben so gesuchte, wie gefürchtete und gehaßte Persönlichkeit für die europäische Diplomatie jener Zeit. 49) Selims Gunst für Don Joseph dauerte bis zu seinem Tode, ja noch über seinen Tod hinaus. Im Volke erzählte man sich, der jüdische Günstling sende dem Sultan jeden Freitag besondere Speisen, die dieser mit Wohlgeschmack genieße; ja die Sage verbreitete übertreibend, der Sultan esse nichts Anders, als was ihm Don Joseph zustellen lasse, er sei selbst gewissermaßen Jude und feiere den Sabbath. 50) Ehe Selim starb, empfahl er seinem Sohne und Nachfolger Murad seinen jüdischen Günstling und schärfte ihm ein, denselben in allen Ehren und Aemtern zu lassen. 51) Sultan Murad hielt auch des Vaters Testament in Ehren, obwohl er seine Brüder nach seiner Thronbesteigung hatte hinrichten lassen (1574) Don Joseph blieb Herzog von Naros, Herr der cpkladischen Inseln und Pächter der Weinsteuer, obgleich sein Feind die Zügel der Regierung des türkischen Reiches noch selbststän-

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