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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 252

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 252 (sequence 255)
Language
German
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252 daß Hindel trotz aller Forderungen des »Volkswillens« es zu keiner Thräne brachte. Zudem hatte Hindel stets etwas vor Augen, etwas Lebendes und nach ihren Begriffen noch nie Dagewesenes, an dem sie mit zu großer Freude hangen konnte. Das war ihr »Bärele.« Wenn sie und ihr Mann auf das Kind schauten, das einzige ihrer Ehe, wie es immer größer und gewaltiger vor ihnen aufschoß, dann erfüllte sie Beide ein Stolz und ein Behagen, die es bekanntlich auch zu feiner Thräne bringen können. Das »Bärele« war zwar in den Augen aller denkenden Leute ein »Bär«, der mit Tatzen auf die Welt gekommen zu sein schien, aber was that das der elterlichen Zärtlichkeit? Diese bleibt stets ein Geheimniß, ein größeres, als sich irgendwo im Menschenherzen verbirgt. Labt sich die Eine an der geistigen Entwicklung des Kindes, an dessen vielversprechendem Wesen, so verwirft das alles die Andere und klammert sich gerade an Eigenschaften, die eben nicht in den Büchern über Erziehung allgepriesen zu werden pflegen. Bärele, oder wie er im Munde der Lelrte naturgemäßer hieß, Bär, war gerade kein Muster dessen, was man einen aufgeweckten, »eisernen« Kopf nennt; er war eher träge als lebendig, eher ungeschlacht und ungelenk als fein und manierlich; aber er besaß eine Eigenschaft, die in den Augen seiner Eltern ganze Goldlasten aufwog, die sich täglich schöner und schöner entwickelte, täglich mehr und mehr Blütheu ansetzte, daß sie zuletzt als du prächtiger Baum dastand. Bärele hatte nämlich tm »Franzefuß« seine Eltern weit überholt; er war ihr Meister geworden. Wie »Bärele« das angestellt, um in verhältnißmäßig kurzer Zeit die alten Meister weit zu überflügeln, das zu erzählen bedürfte mehr als einer Blattseite. Genug, Bärele hatte ein angebornes Genie für »Franzefuß«, wie denn auch der große Napoleon schon in den Kinderschuhen den künftigen Feldherrn gezeigt haben soll, als ihm freilich noch, statt der Kanonenkugeln, Kieselsteine und derbe Holzprügel zu Gebote standen. Dieses Genie trat denn auch schon in

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