Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 221)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2731-2610074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
218 ihigen Lurus gerechnet wird, wo man gar viel an Flitterstaat und eitlen Hansrath vergeudet. Wie nun erst bei den Unvermöglichen! Licht aber sollte in allen Wohnungen Israels sein, und Licht — das geistige, wie das andere — fällt auch durch das Dachfenster ein. Raum für einige gute Bücher gibt es in jeder Hütte und selten fehlt der Sinn und das Verständniß dazu; sie muffen nur geweckt werden. So bleibt denn selbst in jener Gemeinde, deren Anstalten sich mit Recht eines ausgezeichneten Rufes erfreuen, noch manche That zur Vervollkommnung, so wie zur Vermehrung derselben erübrigt. Wie viele Wünsche für andere bleiben, die an Thatkraft und Mitteln zurückstehen, ist wohl selbst redend. Eines aber ist die That, ein Anderes ist der Rath, und mit Recht werden beide als ebenbürtig einander zur Seite gestellt. Der gute Rath ist aber in größeren Gemeinden noch rheuerer als in kleinern, weil die Zeit dort allzusehr wo nicht zu Gelde doch zu Vergnügen ausgeprägt wird. So fehlt es denn besonders auch an Vormündern in verwaisten israelitischen Familien, die in der Gemeinde weder nähere Verwandte noch Freunde haben, ein Mangel, der so fühlbar ist, daß wir nach anderweitigem Vorgänge es als wünschenswerth erachten müssen, jeden dazu Geeigneten zur Uebernahme von 2—3 Vormundschaften verpflichtet zu finden. Gehen wir endlich zum Haus über, und namentlich zur großen Tafel im großen Hause der großen Stadt, so fällt uns bei aller Pracht und Herrlichkeit ein großer leerer Platz auf. Es ist derjenige, an dem die fromme liebevolle Gastlichkeit nuferer Altvordern mit dem Spruch tut Munde gesessen hat: »Kol Tifton jechen we jechel.« Die moderne Cultur hat den Sabbathtisch hinweggeräumt und sich den Sabbathgast, der daran saß, verbeten. Beiläufig gesagt hatte die hinweggeräumte Sitte auch für die Familien selbst manchen Vortheil, und erleichterte nach dem bekannten Spruche gar sehr die Verheirathuug der Kin-