Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 219)
- Language
- German
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216 Es ist kaum denkbar, den Act der Confirmation weihevoller zu begehen, als dies in Wien durch unfern vortrefflichen Mannheimer geschieht. Aber Jahre — zwei, drei, ja vier, fünf, sechs — vergehen, ohne daß sich dieser Act erneut, er erscheint als Gast, nickt als eingebürgerte Institution, und so ist auch dieser Gottestisch weit öfter leer als gedeckt. Wenn wir die Religiousschule in vieler Beziehung und namentlich in Aufgreifung des sprachlich-hebräischen itnb biblisch-exegetischen Elementes als musterhaft erwähnen dürfen, so haben wir abermals dem Bedauern Raum zu geben, so Viele zu sehen, die sie nicht besuchen, und daher dem Surrogat der Privatlehrstunden anheimfallen. Die Prüfungen, die mit solchen Privatschülern stattfanden, ergaben bisher in der Regel, wie der privative Religionsunterricht so ganz und gar'ungenügend ist, so ganz und gar nicht den öffentlichen zu ersetzen vermöge. Die meisten dieser Schüler bleiben auf die auffälligste Weise zurück, es fehlt durchweg an guten Privatlehrern und am gehörigen Ernst tu der Betreibung des privativen Religionsunterrichts. Die entstaudenen Privatinstitute aber haben noch nicht — am wenigsten bei den minder vermöglichen Classen — so durchgreifeu können, um diese Lücke auszufüllen. Eine andere Lücke ergibt sich uns in dem Lehrstoff für die höheren Classen des Schulunterrichtes selbst. Wir vermissen hier das Heranziehen der Geschichte des israelitischen Volkes und seiner Literatur von der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf unsere Zeit. Aneignungen für Geist unb Gemüth bietet dieser Stoff hinreichend, und das an der Bibelgeschichte eingeleitete analytische Verfahren findet hier in consequenter Weise feinen weitern Verfolg. Durch eine umsichtige Methode und Leitung, so wie hohen Festen, zur Confirmation, Trauung, Synagogenweihe, Todtenfeier und vaterländischen Festen. Von den 18 zweistimmigen Melodien sind nur zwei Choräle, die übrigen rhythmische Lieder, welche demungeachtet dem frommen Zweck entsprechen.