Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 217)
- Language
- German
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214 Anstalten näher zu entwickeln. Wenn wir dabei mit unserm Gottesdienste beginnen, so sehrn wir von dem vielfach angeregten Bedürfnisse eines zweiten Bethauses ab. Dem ist man nun im Begriff in würdiger Weise zu entsprechen und die Bereitwilligkeit unter allen Elassen der Cultusgemeinde, dazu die erforderlichen Mittel zu bieten, verdient alle Anerkennung. Es darf dies um so weniger übergangen werden, als unsere Vorfahren im Amte mit der Herstellung des jetzigen Tempels einen bei weitem schwierigeren Stand hatten. Eine Tafel von schreiender Leere wird damit, so Gott will, ausgefüllt werden. Hier aber haben wir es nur mit dem alten Tempel ju thun, der anerkannt zu klein ist, und der uns dennoch zur Klage veranlaßt, daß er nicht gehörig gefüllt, daher oft viel zu groß ist. Wir sehen nämlich wieder Viele, die nicht dabei sind und doch dabei sein könnten und sollten, auch außer den höchsten und allenfalls hohen Festtagen. Wir richten dabei vorzüglich unser Augenmerk auf die Stammglieder der Gemeinde, ihre Frauen, ihre männliche und weibliche Jugend. Berufsgeschäste, Collision mit Schul- und Lehrstunden, vielleicht aber auch trotz alles Bewunderten im Gottesdienste, Mangel an gehöriger Auferbauung, mögen sich als Hindernisse Herausstellen. Indem wir aber den letzten Punct berühren, können wir uns einer Frage nicht erwehren. Sind denn biejeittgeit, die dabei sind, auch wirklich dabei? Können sie, namentlich die Frauen und Mädchen, vermöge ihrer ungenügenden Kenntuiß des großentheils vorherrschenden hebräischen Vortrages, auch dabei sein? Allein selbst zugegeben, daß sie es sein könnten, bleibt die Passivität der Gemeinde ein Nebelstand, der die nothwendige Sammlung und Auferbauung hindern muß, und auch voll den competentesten der fremden Besucher des Wiener Tempels gerügt worden ist. Daß sie aus dieser beklagenswerthen Passivität trete, daß sie wie in andern jüdischen und nicht jüdischen Gemeinden nicht nllr singen und beten höre, solldern auch mitsinge und