Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 162)
- Language
- German
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159 geistert und bethätigt dies Lei jeder öffentlichen Gelegenheit, wogegen ihm das Judenthum als Religionsprincip (ohne welches es doch keine Juden gibt) entrückt ist. — »Die Sippurim« in Pascheles Verlage enthalten manche gemüthvolle und gut angelegte Erzählungen; 8. Kompert hat so eben in einem zweibändigen Romane eine jüdische Familie »am Pfluge« in lebendigen Zügen und mit Innigkeit geschildert. Glaubten wir in obiger flüchtigen Skizzirung unsere Aufgabe ziemlich erschöpft zu haben, so bietet sich hingegen am Schluffe noch eine literarische Erscheinung von hoher Bedeutung dar. Zunz, der Meister der lange schwieg, ist wieder mit einem Werke hervorgetreten, betitelt: »Die synago- .gale Poesie des Mittelalters.« Wie jener Aar seine Jungen hoch auf den Fittigen trägt, vor keinem Raubvogel sich fürchtend, so lebte Zunz in dem schönen Glauben, aller Haß, alle Verfolgung und Beschränkung um der Religion willen seien im Aufhören begriffen; die Morgenröthe jener Zeit, wo einst alleGlaubensrichtungen in die allgemeine Menschenreligion aufgehen werden, sei bereits angebrochen und die Freiheit — tut höheren Sinne — habe endlich eine Stätte auf Erden gefunden. Das Judenthum, das in den finstersten Zeiten "seine reine Gottes- und innige Hmnanitätsidee bewahrte, hat seine Mission nur noch darin zu erfüllen, diese Ideen zum Gemeingut aller seiner Bekenner und der ganzen Menschheit zu machen. Nicht der Firniß äußerer Bildung und nicht eitle Reformen sind die Hebel hierzu, sondern innerer Ernst und kräftige That. — Doch wie bitter ward er hier nach innen und außen getäuscht; wir schweigen, wo die Ereignisse sprechen! Ztt gewaltig und felsenfest, um von jenen erhabenen Gedanken zur »rauhen Wirklichkeit« herabzusteigen, die Sachen zu nehmen, wie sie mm einmal sind, und auch Ln scheinbaren Rückschritten den nothwendigen Entwickelungsgang der Menschheit sogleich anzuerkenneu, die in ewigen Schwingungen sich bewegend nur langsam ihrem Ziele entgegengeführt wird, — tritt Zunz verschlossen und