Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 152)
- Language
- German
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149 gezogen worden. — Aber seit dem Auftreten Mendelssohns und der verbesserten Stellung der Juden in manchen Staaten (worunter Oesterrreich unter Joseph IL voranschritt) begann eine andere Anschauung Raum zu gewinnen. Das Judenthum ward nunmehr von dem intelligenteren Theile seiner Bekenner nicht als etwas Jsolirtes, über oder außer der Weltcultur stehendes, sondern als damit in innigster Verbindung seiendes göttliches Institut aufgefaßt. Was früher wohl von einzelnen vorgezogenen Geistern, einem Naimonides, Ibn Esra, Levi ben Gerson, Asaria dei Rossi, Seforno, Joseph del Medigo n. A. ausgesprochen mtb versucht worden war, der Ausbau des Judenthums auf allgemeiner wissenschaftlicher Grundlage, dessen machte man sich immer mehr bewußt und so nahm denn auch die jüdische Literatur eine andere Gestalt an. — Es kann hier nicht unsere Absicht sein eine Darstellung all' der literarischen Erzeugnisse, die seit jenem Umschwünge erschienen, auch nur in kurzen Umrissen zu geben; wir beschränken uns nur die Hauptfächer und Gegenstände anzudeuten, welche seitdem hauptsächlich bearbeitet wurden, damit man sodann beurtheilen möge, in wie weit in den letzten zwei Jahren, die wir hier besonders im Auge haben, ein Vor¬ oder Rückschritt zu erkennen ist. Wie einst in der ptolemäischen Zeit die Uebersetzung der heiligen Schrift den ersten Ergebnissen der Einreihung in die griechische Wissenschaft gehörte, so begann auch das neu europäische wissenschaftliche Streben der Juden mit Lösung dieser Aufgabe. Hieran knüpften sich eregetische Commeutare auf Sprachkunde und gesunder Hermeneutik beruhend, wenn auch den tradirten Standpunct nicht überschreitend. Man befleißigte sich bald einer geistvollen Verwendung des rein hebräischen Idioms $tt fast allen Gegenständen der Wissenschaft; poetische Ergüsse und Üebertragungen in diese Sprache, Commentare älterer dogmatischer Werke voll neuerer philosophischer Ideen, endlich Uebersetzungen der alten Gebete ins Deutsche, Religionslehr-