Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 151)
- Language
- German
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148 tattonen, vornehmlich an des Euphrats Gestaden; sie häuften sich lavinenartig mehrere Menschenalter hindurch, bis »das Meer des Talmuds« aus ihnen sich bildete, das wieder in zahllose größere mtb kleinere Buchten (Glossen, Commentare, Responsen, Decistonen, Compendien u. s. w.) sich Zerklüftete mtb endlich in mehrere größere Landseen (Ritualnnd Rechts-Codices) sich ergoß, die leichter zu beschissen sind. Eben so wenig mangelten Uebersetzungeu und Paraphrasen der heiligen Bücher in die Idiome, welche man als Volkssprache sich angeeignet hatte (syrisch, aramäisch, arabisch, persisch, später auch spanisch und alt-deutsch); Phantasie und Gemüth erhebende Auslegungen wurden theils aus Vorträgen zusammengestellt, theils selbstständig bearbeitet; tiefsinnige Forschungen zur Ausgleichung der Offenbarungslehre mit den Schriften der Weltweisen traten ans Licht; auch mystisch-allegorische Interpretationen, angeblich einer früheren Zeit entsprossen, fanden Verbreitung, worauf dann wieder ein neuer geheimnißvoller Bau sich thürmte. Das Feld der hebräischen Sprachkunde und Lericographie ward angebaut, wie nicht minder alle die Wissenszweige berührt, die nur im Entferntesten im Bereiche der jüdischen Gesetzeskunde liegen, besonders aber Bibeleregese nach den verschiedensten Seiten hin, Ethik und praktische Morallehre, Liturgik und liturgische Poesie gepflegt, wobei auch die Geschichte der eigenen Vorzeit nicht ohne Beachtung blieb. So stellt sich der jüdische Bücherschatz nach seinem Gesammtinhalte uns dar bis ungefähr gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Specifisch-religiöse Kenntniß galt bis dahin als Wesen und Centralpunkt aller jüdischen Bildung. Der hochgestellte Staatsmann, der mit diplomatischer Gewandtheit Bündnisse und Verträge schloß, Isaak Abrabanel, hatte in Studium und Commentirung der heiligen Schrift seinen höchsten Genuß gesucht und gefunden. Der größte Denker des neueren Europa, Baruch Spinoza, war im Schooße der jüdischen Religiouswissenschaft groß-