Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 137)
- Language
- German
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134 betreibenden Juden vielen Beschränkungen unterworfen, alle aber vom activen und passiven Wahlrechte ausgeschlossen wurden. Sachsen gehört nicht zu den deutschen Landern, in welchen je eine judenfteundliche Gesinnung zu Hause war. Um so erfreulicher ist jeder Fortschritt. In socialer Beziehung haben wir einen solchen vorzüglich darin zu bezeichnen, daß im März 1854 bei der Ergänzungswahl eines Abgeordneten zur zweiten Kammer der Ständeversammlung in Dresden ein Jude zum Wahlmann erwählt und als solcher von der Regierungsbehörde zum Wahlact einberufen wurde. Vielleicht noch merkwürdiger ist ein erst im März 1855 zu Leipzig stattgefundener Vorgang. Zwei Stadtverordnete wurden nämlich unter der sehr geringen Anzahl dort ansässiger Juden erwählt: Hermann Samson, Vorsteher der israelitischen Gemeinde, und S. -Nachod. An dem Gymnasium wie an der Handlungsschule zu Leipzig sind Juderr angestellt, und für den geselligen Verkehr zwischen Christen und Juden in Leipzig wie in Dresden bildet der Religionsunterschied minder als irgendwo in Deutschland eine Kluft. Der Thronwechsel in Sachsen ist ebenfalls ein Ereigniß, an welches sich bessere Aussichten knüpfen. Der jetzige König nahm sich schon als Prinz der Rechtsansprüche der Juden in der Ständekammer an. Der Deputation, welche ihm bei Gelegenheit seiner Thronbesteigung eine Adresse überreichte, äußerte der König sehr huldvoll, daß er die freundlichen Gesinnungen seines seligen Bruders in Bezug auf die Israeliten bewahrelr werde. Für das jüdische Leben nach Innen ist es von Interesse, daß in Leipzig der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt wurde. Der Erbauer ist ein Jude, Architekt Simonsohn aus Dresden. Die Gemeinde Dresdens hat einen schweren Verlust durch das Ausscheiden des Oberrabbiners Di'. Frankl erlitten, welcher dem ehrenvollen Rtlfe folgte, die Leitung des neu errichteten jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau zu übernehmen. In seinem 18-jährigen Wirken hatte er JL