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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 131

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 131 (sequence 134)
Language
German
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(Sitte größere Bedeutung haben die Ereignisse, welche sich im inneren Leben des Judenthums in Preußen begaben. Die religiösen Parteien sind dort weit schärfer als in Oesterreich gesondert; vorzüglich ist dies der Fall in den Hauptgemeinden Berlin und Breslau, was zu mancherlei Eonflicten hinsichtlich der Constitnirnng der erst gedachten Cultusgemeinde geführt hat. Als ein vielversprechendes Ereigniß dürfen wir die endliche Eröffnung des rabbinisch-theologischen Seminariums zu Breslau begrüßen. Durch die Berufung von Männern, wie Frankl ans Dresden, Dr. Grätz u. A. ist die Ansicht gerechtfertigt, daß hiermit dem dringlichen Bedürfnisse einer Pflanzschnle für Lehrer des Judenthums abgeholfen werden wird. Anderseits hat die Reformgenoffenschaft in Berlin nach neunjährigem Bestehen und Kampfe ihren Tempel auf festen und breiten Grundlagert aufgebaut und am 10. September 1854 in feierlicher Weise den jüdischen Betern geöffnet. Derselbe ist vom Professor Stier erbaut, aus 1000 Plätze eingerichtet und hat an 40.000 Thaler gekostet. Endlich erwähnen wir noch eines dritten bedentrrngsvollen Ereignisses für die Fortbildung des Judenthums. Arrf Anregung des Dr. Philippson hat sich eine literarische Gesellschaft zur Herausgabe von Schriften, die das Jndenthum betreffen, gebildet. Philippson rechnete auf eirre Anzahl von 400 beitretenden Mitgliedern, itnb bei Niederschreibung dieser Zeilen bat sich bereits die dreifache Zahl eingefunden. Sehr Bemerkenswertstes har sich in Bayern zugetragen. In diesem Lande sollte arrf Antrag des Ministeriums den Inden das active uub passive Wahlrecht entzogen werden, und in dem Kammerausschuß, welcher die Sache zu erörtern hat, ward der Abgeordnete Dr. Morgenstern, der als Jude in der Kammer saß, zum Referenten gewählt. Die höchst umsichtige und würdige Haltung, welche er in dieser delicaten Position zu behaupten verstand, sichern ihm ein dankbares Allgedenken. Sehr sinnig vergleicht er sich mit einem kranken General, der durch Wochen die Einübung des

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