Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 99)
- Language
- German
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96 macht. Sie führen daher ihre Söhne von einer Schule in die andere, von einem Lehrer zum andern, lassen überall ein Pröbchen trinken und denken: am Ende kommen wir doch auf den rechten Mann. Schullehrer aber meint, das Probetrinken wird den armen Jungen schlecht bekonrmen und sie bald so berauschen, daß ihnen kein ehrlicher Trunk mehr munden wird. 6. Viele Juden glauben, sie haben den rechten Mann getroffen, wenn sie für das Judenkind einen nichtjüdischen Lehrer halten. »Der hat Sprache und Benehmen, daß es seine Art hat.« Schullehrer aber meint dabei mancherlei; — er meint: Wir jüdischen Lehrer sind auch nicht auf den Kopf gefallen, und die deutsche Sprachlehre hat ebenso wenig wie das seine Benehmen einen Taufschein aufzuweisen. Er meint ferner, zum Lehren gehöre auch ein Bischen Herz und nicht blos ein Kopf. Er meint endlich noch allerlei —■ was er aber so vornehmen Leuten gar nicht sagen mag, weil er sich schämt — nicht vor, sondern für die vornehmen Leute. B. Lehrerwerth. 7. Viele Leute glauben, das Verdienst des Lehrers wächst erst mit dem Schüler, und bas Bischen Schreiben und Lesen, womit der Unterricht der Jugend beginnt, erfordert keinen großen Aufwand. — Schullehrer hat sich's aber von einem Baumeister auf's Bestimmteste versichern lassen, daß man gerade für den Bau der Kellerwülbung die verläßlichsten Leute zu verwenden hat. Weiter hat er sich erzählen lassen, daß, wenn eine ungeschickte Hand im Frühjahr Hafer gesäet, im Sommer die vernünftigsten Bauern daran arbeiten können, es wird doch Zeitlebens kein Weizen wehr daraus. 8. Viele Leute glauben, was ein Kind weiß, ist Verdienst des Lehrers, aber wie das Kind es auffaßt, das sei des Kindes angeborne Gabe. Schullehrer meint aber just