Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 98)
- Language
- German
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95 Gäste sich zu einer Schüssel setzen, desto kleiner müssen die einzelnen Portionen ausfallen. Hat aber ein Schüler einen ganzen Lehrer für sich allein, da muß er zum mindesten sich satt lernen können. Schullehrer aber meint: Wäre der Lehrer auch wirklich wie eine Schüssel Gemüse, so könnte der Junge sich auch leicht überladen; unterdessen sind aber Schüler keine Gäste, die gefüttert, sondern Kerzlein, die an einer Flamme gezündet werden. Je mehr Kerzlein Ihr anbrennet, desto lichter und wärmer wird's überhaupt, wenn Ihr nur fein Acht habt, daß es nicht zu heiß und zu hell wird. 2. Viele Leute glauben, wo viele Kinder sind, da gibt es viele Unarten; bleibt der Junge von der Schule weg, wird er vor dem Bösen gewahrt. Schullehrer meint aber, zu den Pflänzlein unter dem Glase kommt wohl kein Sturmwind, aber sie ersticken. Und weiter meint er: Was Unkraut werden soll, findet überall guten Boden. Endlich aber ist die Schule so bunt wie das Leben, und wer einst unter Menschen und nicht unter Engeln zu leben bestimmt ist, muß unter Menschen Mensch sein lernen. Daher: Wer schwimmen will, muß ins Wasser gehen, und der Junge gehört in die Schule, wie der Baum in den Wald. 3. Viele Leute glauben, weil alle Eltern Kinder haben, so müssen alle die Erziehung auch vom Hause aus verstehen. Schullehrer aber meint, alle Menschen haben Mägen, und doch verstehen nicht alle den Verdauungsproceß, und wenn vollends Einer sich den Magen verdirbt, da muß er doch den Arzt holen. 4. Viele Leute glauben, wer selbst gebildet ist, dem kann's nicht fehlen, daß er auch Andere bildet. Schullehrer aber meint, es kann Jemand kerngesund sein, und heilt doch keinen Patienten damit. Auch soll man dem geschicktesten Schreiner keinen Nock in die Mache geben, und zwar just darum, weil der Schreiner kein Schneider ist. 5. Viele Leute glauben, Schulen und Lehrer muß man durchprobiren, wie's der Weinhändler mit seiner Waare