Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 92)
- Language
- German
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89 zen Zeit alle seine Sonnen und Sterne verpufft uitb hohl und ausgebrannt die Staffelei zurückläßt. Wir erinnern uns dabei einer Fabel, die unsere Stellung in dieser Beziehung genall bezeichnet. Eines Tages trafen der Jezer Hora (der böse Trieb im Menschen) und der Daluss (die Armuth) auf ihrer Wanderung zusammen. Sie fragten sich gegenseitig nach ihrem Wohlbefinden, nach den gehabten Erlebnissen und Ergebnissen. Da sprach der Jezer Hora: Mir geht es so gut wie nie zuvor. Sonst, wenn Jemand etwa an einem Fasttage essen wollte, verkroch er sich irr einen Winkel, um von Niemanden gesehen zrr werden; herlte schickt man förmliche Einladungen an solchen Tagen zu Diners. Würden die Leute nicht das Tischgebet bereits verlernt haben, du könntest es bei Tische hören, wo Speisen von Thieren gereicht werden, die nicht zur Klasse der Wiederkäuer gehören. Und wie geht es denn dir? fragte der Jezer Hora den Dalnss. Nun, ich kann ebenfalls nicht klagen, antwortete dieser, es geht wir außerordentlich gut. Abgesehen davon, daß meiil Reich immer größer wird, und ich recht eingebürgert bin, habe ich auch viel nach Außen gewonnen. Sonst war die Armuth jämmerlich und ekelhaft anzusehen. Zerrissen und zerfetzt war die Kleidung, und die dunklen Wohnungen waren wahrhaft nicht einladend. Jetzt mache einmal eine Wanderung durch die Stadt, unb du flehst die Armuth und das Elend in Samnrt und Seide einhergehen. Kommst du gar in die Wohnungen, da findest du Alles aufs Beste aufgeputzt, mehrere Zimmer, wo nicht gar eill Salon dabei, vorzüglich gedielte, parquettirte Böden, herrlich gemalte Plafonds, schön tapezirte Wällde, durch große Spiegel und Bilder geziert; — hinter all dem aber steckt — der Daluss. Unter den socialen Gebrechen, die die Armuth fördern, müssen wir noch Eines anführen. Es ist die falsche Scham.. Man hat uns seit Jahrhunderten den Vorwurf ge-