Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 91)
- Language
- German
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88 Umschwung genommen. Es haben sich unsere Verhältnisse in neuerer Zeit besser gestaltet. Wie lange aber ist es, wo der letzte Beamte, der unbedeutendste Kanzleischreiber den Juden gegenüber den Herrn und Gebieter spielte? War auch sonst die Stellung, eines solchen Mannes noch so niedrig, ergeben und untergeben, dem Juden gegenüber spielte er den Mächtigen und Gewaltigen. Bei den Leuten stand der Jude in seinem halb rechtlosen Zustande nur dann im Ansehen, wenn er reich war oder sich als reich geben konnte; dann gab es Hoffnun» gen und Erwartungen. Wer dein menschlichen Ehrgefühle nur im Geringsten Rechnung trägt, wird sich nicht wundern, daß der Jude nach Außen durch Putz und Schmuck für reickgelten wollte. Wahrlich, so oft wir die Geschichte unseres Volkes im Einzelnen wie im Ganzen betrachten, so oft drängt sich uns .der Gedanke auf, welch ein Adel der Gesinnung im Inder: liegt, welch beseligende Schätze seine Glaubenslehren in sich fassen, wenn bei all der Korruption, die ihm oft von Außen aufgedrängt wurde, der irmere Kern fehlerlos geblieben ist. Wer wollte aber die Opfer zählen, die dem goldenen Kalbe gefallen sind. Wie viele sind durch Lurus vor der Zeit ins Grab gesunken) wie viel Familienglück wurde dadurch zerstört! Wie viele Eltern haben in überschwenglicher Liebe, um ihren Kindern eine Stellung zu begründen, diesen Kindern den Sarg gezimmert) wie viele Kinder das Haar der Eltern vor der Zeit gebleicht! Gehet einmal hinaus auf die Gottesäcker und zählet diese Gräber der Lüsternheit. Leider steht in dieser Beziehung die Neuzeit viel ärger als die vorangegangene da. Die Altvordern lebten nur für den Himmel, die Neuzeit will die Erde mit ihren Schätzen, und doch lebt keiner, »der aus ihrem Dienst die Seele hätte rein zurückgezogen. »Es ist nicht mehr die Freudigkeit des Herzens, die die Gemüther warm hält; man wünscht ein Feuerwerk der Freude, das aber auch nur während der kur-