Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 90)
- Language
- German
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87 den, mit leeren Säcken, öfters mit leeren und hohlen Köpfen traten die Leute in den Ehestand und bedenken nicht, welches Weh sie sich bereiten, welche Verantwortlichkeit sie übernehmen. Ein anderer nicht minder gefährlicher Punkt ist der Lurus, der den Wohlstand zerrüttet und das Elend bis in das Maßlose steigert. Es ist das ein Uebel, woran jetztEuropa und die ganze civilisirteWelt krankt. In dem Maße als Kunst und Wissenschaft weiter und breiter sich dehnen, je mehr die Mittel zur Erhaltung und Ernährung sich erweitern, desto mehr verfeinert sich der Geschmack, desto höher steigen die Bedürfnisse. Licht und Schatten sind nicht von einander zu trennen, und je mehr Licht, desto mehr Schatten. Nirgends aber kann wohl der Putz und Lurus mehr schaden als da, wo der Besitz ohnedies ein lustiger ist. Wir erinnern an die bekannte Fabel, wo Jemand der Armuth, da sie noch als Kind bei ihm ist, eine Jacke machen will, um die Blöße zu decken. Kaum ist die Jacke fertig, ist auch schon die Armuth größer geworden, bis sie endlich zur riesenhaften Gestalt heranwächst. Je mehr der Mann Opfer bringt um die Armuth zu verhüllen, desto größer wird und muß der Mangel werden. Allerdings hat der Lurus eben darin seinen Grund, weil dem Juden der Grundbesitz mangelte. Der Hausvater machte gleichsam dadurch eine Capitalsanlage für seine Familie, um im äußersten Falle der Noth in Schmucksachen einen Rettungsanker zu finden; hatte man aber die Juwelen einmal im Besitze, wer kann sich dann wundern, daß die menschliche Eitelkeit diesen Putz benutzen wollte. Ein anderer Grund waltete noch dabei. Der Credit des Kaufmanns hängt nebst der Rechtlichkeit des Charakters von dem Vermögen ab, das derselbe besitzt oder dessen Besitz man ihm zumuthet. Je mehr der Putz, je größer der Schmuck, desto reicher wurde er gehalten, desto einflußreicher war er nach Außen. Wir können diesen letztem Punct allerdings nicht außer Acht lassen. Die Zeit hat einen bedeutenden