Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2594-2609937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
81 nicht ein dem Wolke, dem wir mit Seele und Leben anhängen, zu heucheln; wir wollen den Schaden heilen und da gilt es Apotheker und reicht Zuckerbäcker zu sein. Wir wollen nach bestem Wissen die Wahrheit sagen, so weit wir sie erkannt haben. Zuerst und vor Allem müssen wir als Grund derArrnuth und derVerarmung anführen,daß derJude keinen stätigen Besitz, keinen Grund und Boden hat. Alles was der Jude hat und besitzt, hängt vom Zufalle ab. Alles übt zunächst und zumeist auf ihn Einfluß. Treffen den Bauer Mißernten; vernichtet ein Hagelschlag seine Saaten; zerstampfen feindliche Schaaren was er mit Mühe und Noch gesäet hat, Grund und Boden bleiben doch. Die alte Fabel vom Riesen Antäus bewährt sich da stets aufs Neue. Ist es dem Bauer wieder gegönnt seinen Boden zu bewirthen und zu pflegen, so schöpft er neue Kraft. Hat aber einmal der Sturm am Besitze eines Juden gerüttelt, was bleibt ihm zurück? Und wie leicht ist nicht solch ein luftiger Besitz weggeblasen? Heißt es doch schon in der Schrift: »Das Geld hat Flügel.« Abgesehen aber von den Wechselfällen, denen jeder Kaufmann ausgesetzt ist: wer bürgt dafür, daß die zweite Hand, in die das Vermögen übergeht, es eben so versteht, mit Vorsicht und Umsicht dasselbe zu verwalten? Unsere alten Weisen sprachen ihre Erfahrung aus, daß das Geld höchst selten bis über das dritte Geschlecht hinaus dauert. Wir haben Gelegenheit diese trübselige Erfahrrmg gar oft mitzumachen. Hat aber Einer den Faden losgelassen, an den der papierene Gelddrachen gebunden war, wer wollte dann sagen, wem er in die Hände fällt? Man hat in letzter Zeit öfters den Vorwurf gehört, warum die Juden nicht Elle und Maß wegwerfen und mehr zum Spaten und zur Hacke greifen. Abgesehen davon, daß der Vorwurf in so ferne ein ungerechter ist, als für den kurzen Zeitraum wirklich viel auf diesem Gebiete geschehen ist, geben wir aber auch noch Folgendes zu bedenken: Die Juden sind zwangsweiseseitJahrhundertenaufHan- IahH. der Isr. 1856. 6