Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2593-2609936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 dabei zu bedenken geben. Selbst gleiche Besitzverhältnisse der Juden und Nichtjuden repräsentiren ungleiche Werthe. Der Jude hat für die Ceremonien, bei der größten Beschränkung seiner sonstigen Bedürfnisse, viel mehr Ausgaben als der Nichtjude. Wir führen nur an, was an und für sich unbedeutend scheinen könnte, aber nichts desto weniger in der Hauswirthschaft von großer Bedeutung ist. Der Jude hat zweierlei Speisegeschirr, für Milch und für Fleisch; daran hängen sich eine ganze Masse von Beobachtungen und talmudischen Interpretationen, die den armen Juden oft um den besten Bissen bringen. Kommt dasPaffasest, da muß alles Geschirr weggeräumt und ein neues bereitet werden. Verlassen wir Küche und Halls und treten hinaus ins Leben, ins geschäftige Treiben, da treten die Sabbat- und sonstigen Festtage entgegen. Der Jude hat zumeist nur fünf Arbeitstage in der Woche. Die Cultusanstalten muß er aus Eigenem erhalten. Und doch dürfen wir es als einen schönen Zug humanistischer Richtung anerkennen, daß gar häufig jüdische Kaffen fremden Zwecken offen stehen. Wer wollte übrigens Alles ansühren, wozu der Jude verpflichtet ist. Wir erinnern nur an das WortJost's in der Vorrede zu seiner Geschichte: Würde man Jemanden, der nie von Juden gehört hat, erzählen, wie der Jude nach Außen gestellt ist und wie er nach Innert, von der eigenen Religion beengt und beschränkt wird; man würde es nicht glauben, daß Menschen so viel ertragen können und wollen. Und wir rühmert uns dessen, daß wir alles das mit der größten Freudigkeit ertragen. Es sind die Schwingen des Geistes und des Muthes nicht gebrochen, vielmehr heben sie sich immer mit neuer Kraft. Wer wollte aber die Opfer zählen, die in diesem Kampfe gefallen sind! So sehr wir aber auch im gebührenden Maße solche Tugenden zu würdigen wissen, so läßt es sich anderseits gewiß nicht in Abrede stellen, daß der Armuth Maß imb Ziel gesetzt werden sollte. Spüren wir daher den Ursachen nach, um dadrrrch dem Uebel abzuhelfen. Es fällt uns dabei